Yellowstone-
Nationalpark

www.Wissen-im-Netz.info

Tiere - Säugetiere

Homepage
   Freizeit
      Reisen
         Yellowstone
            Tiere
               Säugetiere

Gabelböcke

NPS-Foto: GabelbockWissenschaftlicher Name: Antilocapra americana
Englischer Name: pronghorn

Verhalten und Größe

  • Männchen (Böcke) wiegen 50…62,5 kg; Weibchen (Kühe) wiegen 45…55 kg; die Länge von Erwachsenen ist 114…140 cm und ihre Schulterhöhe 89…102 cm.
  • Durchschnittliche Lebenserwartung: 7…10 Jahre.
  • Junge (Kitze) werden im späten Mai bis Juni geboren
  • Leben im Grasland.
  • Kann über mehrere Meilen mit 72 km/h laufen.
  • Frisst Beifuss und andere Stauden, Hochstauden, einige Gräser.
  • Beide Geschlechter haben Hörner; Männchen sind gezinkt.

Anzahl im Yellowstone

  • 200…250 Tiere

Wo können sie beobachtet werden?

  • Sommer: Lamar Valley, einige vielleicht in der Nähe des nördlichen Eingangs, nahe Gardiner, Montana.
  • Winter: zwischen dem nördlichen Eingang und Reese Creek.

Geschichte

  • Vor der Besiedlung durch Siedler lebten geschätzte 35 Millionen Gabelböcke im Westen.
  • Im frühen 19. Jahrhundert waren die Gabelböcke in den Flusstälern, die vom Yellowstone ausstrahlen, sehr zahlreich. Besiedlung und Bejagung reduzierte ihren Lebensraum und Anzahl.
  • Die Parkverwaltung ließ in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch die Gabelböcke töten, da sie die Auffassung war, dass das Gebiet überweidet werden würde.

Forschungsanliegen

  • Der Park hat ein besonderes Interesse an den Gabelböcken.
  • Seit 1991 verringerte sich die Population um ungefähr 50%; Untersuchungen sollen feststellen warum; mögliche Ursachen schließen Raubtiere und Verlust von Überwinterungsgebieten ein.
  • Diese kleine Population kann durch zufällige, katastrophale Ereignisse ausgerottet werden, wie beispielsweise harte Winter oder einen Krankheitsausbruch.

Die amerikanischen Gabelböcke sind keine richtigen Antilopen, wie sie in Afrika und Südostasien vorkommen. Der Gabelbock ist ein überlebendes Mitglied einer Tiergruppe, die sich in den letzten 20 Millionen Jahren in Nordamerika entwickelt hat. Die Verwendung des Begriffs „Antilope“ scheint seinen Ursprung in der ersten Beschreibung der Tiere zu haben, die die Lewis und Clark Expedition während der Jahre 1803-1805 aufzeichnete.

Die Gabelböcke haben richtige Hörner, entsprechend denen von Bisons und Dickhornschafen. Das Horn besteht aus abgewandelten Haaren über einem permanenten Knochenkern, aber sie unterscheiden sich auf zwei Weisen von anderen gehörten Tieren: Die Hörnerhülsen werden abgeworfen und wachsen jedes Jahr nach und sie sind gegabelt (eine Anzahl anderer gehörnter Säugetiere werfen gelegentlich auch ihre Hörner ab, aber nicht jährlich). Erwachsene Männchen (Böcke) haben 25…41 cm lange Hörner, die an der Spitze gebogen sind. Ungefähr 70 Prozent der Weibchen (Kühe) haben auch Hörner, sind aber nur 2,5…5 cm lang und nicht gezinkt. Die Männchen werfen ihre Hörnerhülsen im November oder Dezember ab und das Wachstum beginnt wieder im folgenden Jahr im Februar oder März. Die Hörner erreichen ihre maximale Entwicklung im August oder September. Weibchen werfen ihre Hörner zu unterschiedlichen Zeiten ab und lassen diese wieder wachsen.

Gabelböcke lassen sich leicht von den anderen Huftieren des Parks unterscheiden. Ihre rehähnlichen Körper sind rötlich-braun am Rücken, mit einer weißen Unterseite, mit langen weißen Rumpfflecken. Ihre Augen sind groß, die in großes Sichtfeld ergeben, Männchen haben auch schwarze Wangenflecken.

Weibchen, die im vorigen Herbst empfangen haben, gebären normalerweise Zwillinge im Mai oder Juni. Die neugeborenen Kitze sind einheitlich grau-braun und wiegen 3,5…4,5 kg. Sie können innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Geburt laufen und sind innerhalb einiger Tage fähig, einem Menschen davonzulaufen. Die Jungen bleiben normalerweise in dichter Vegetation versteckt, während die Mutter in der Nähe grast. Nachdem die Jungen drei Wochen alt sind, beginnen sie der Mutter bei der Futtersuche zu folgen. Mehrere Weibchen und ihre Jungen schließen sich zu einer Kindergartenherde mit den einjährigen Weibchen zusammen.

Gabelböcke bilden Gruppen, wahrscheinlich als erhöhter Schutz gegen Raubtiere. Wenn ein Einzeltier eine Gefahr erkennt, lässt es seinen weißen Rumpfflecken aufflackern und signalisiert damit den anderen zu fliehen. Die Gabelböcke sind daran angepasst, ihren Feinden davonzurennen. Ihre überdimensionierte Luftröhre und Herz erlauben ihnen große Mengen von Sauerstoff aufzunehmen, so dass das Blut es von den ungewöhnlich großen Lungen wegtransportieren kann. Gabelböcke können Sprints mit 72…80 km/h aufrechterhalten. Eine solche Geschwindigkeit, zusammen mit einem scharfen Gesichtsfeld, macht die Erwachsenen eine schwierige Beute für jedes natürliche Raubtier. Kitze jedoch können von Kojoten, Rotluchsen, Wölfen, Bären und Steinadlern gefangen werden.

Die Kitze der Gabelböcke kommen von Mitte September und bis in den frühen Oktober zur Welt. Während der Brunft „verteidigen“ die älteren Männchen eine Gruppe Weibchen (als Harem bezeichnet). Sie warnen jedes eindringende Männchen mit lautem Schnauben und keuchendem Husten. Wenn dieses Verhalten den Gegner nicht vertreibt, kann ein Kampf ausbrechen. Die Rivalen nähern sich langsam einander, treffen mit ihren Hörner aufeinander, dann verdrehen sie sich und drängen einander ab. Eventuell gibt das schwächere Tier auf. Obwohl die Kämpfe blutig sein können, sind Todesfälle selten.

Das wichtigste, ganzjährige Futter sind Büsche wie Beifuß (Artemisia tridentata var. vaseyana) und Hasenpinsel (Chrysothamnus nauseosus); sie fressen fleischige Hochstauden im Frühling und Sommer. Sie können Flechten und Pflanzen fressen, wie Fahnenwicken (Oxytropis), Lupinen und Wicken, die für andere Huftiere giftig sind. Ihre große Leber (im Verhältnis hat sie die doppelte Größe der Leber eines Hausschafs) ermöglichen ihnen die Pflanzengifte aus ihrem Blutkreislauf zu entfernen. Gras scheint das am wenigsten verwendete Futter für sie zu sein, aber wird während des frühen Frühlings gefressen, wenn die Jungen und zarten Triebe besonders nährreich sind.

Während des Winters bilden die Gabelböcke gemischte Herden mit beiden Geschlechtern und unterschiedlichem Alter. Im Frühling, teilen sie sich in kleine Gruppen aus Weibchen, Junggesellengruppen von Männchen zwischen 1…5 Jahren und einzelgängerische ältere Männchen auf. Die Kindergarten- und Junggesellenherden finden ihr Futter innerhalb eines Heimatreviers von 404…1214 km², während einzelgängerische Männchen ein kleineres Gebiet (24…405 km²) beanspruchen. Gabelböcke, einschließlich zwei Drittel der Einzeltiere im Yellowstone, wandern zwischen den unterschiedlichen Winter- und Sommergebieten, um das Nahrungsangebot in weiten geographischen Gebieten besser auszunützen.

Geschichte

Im frühen 19. Jahrhundert waren die Gabelböcke nach den Bisons die zweithäufigsten Huftiere mit einer geschätzten Anzahl von 35 Millionen durch den gesamten Westen. Die Herden wurden durch die Umwandlung von Weideland in Kulturflächen, durch professionelle Jäger, die das Fleisch verkauften und Farmer, die glaubten, dass die Gabelböcke mit ihren Nutztieren konkurrieren würden sehr schnell dezimiert. Heutzutage, mit den Umsiedlungsprogrammen und sorgfältiger Verwaltung, ziehen Gabelböcke wieder in Herden durch die Beifußprärien und es gibt heute wieder eine halbe Million Tiere.

Den Gabelböcken im Yellowstone erging es jedoch nicht so gut. Die Gabelbockpopulation des Parks sank in den 1960igern und wieder in den 1990igern. Forschungen im Jahr 1991 ergaben, dass die durchschnittliche Lebenserwartung eines Kitzes in diesem Jahr ungefähr 35 Tage betrug und nahezu alle Gabelbock-Kitze mit einem Funkhalsband durch Kojoten getötet wurden. Diese Sterblichkeitsrate folgte dem Absinken der gesamten Kitzanzahl, die mit wöchentlichen Zählungen im gesamten Park bestimmt wurden. Im Jahr 1999 wurde eine Studie initiiert, die die Geburtenrate und die Sterblichkeitsrate untersuchte. Andere Faktoren umfassen abnehmende Menge und Qualität des Überwinterungsgebiets und die Herausnahme von Privatland aus der Landwirtschaft.

Die Forschung wird fortgesetzt, um Antworten für den Populationsrückgang zu finden. Die kleine Population ist zu anfällig für eine vollständige Vernichtung durch zufällige Katastrophenereignisse, wie schwere Winter oder ein Krankheitsausbruch.

© 1999-2009 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de.