Friedrich SchillerFriedrich Schiller

Friedrich Schiller an Wolfgang von Goethe

[24. Januar. Dienstag. 1804.] 

Dank Ihnen für den freundlichen Abendgruß. Ich habe heute bei dem besten Vorsatz nicht viel leisten können, weil ich mit meinem Schlaf zu sehr in Unordnung bin. Auch spüre ich die Folgen des langen Eingesperrtseyns an einer Schwere und Dumpfheit des Gemüths. Ich muß eilen einmal wieder an die frische Luft zu kommen. 

Es freut mich zu hören, daß Müller wenigstens einige Wochen bleiben wird. 

Haben Sie die Hallische Litt. Zeitung nicht gesehen? Sie fängt an mit einer Recension der natürlichen Tochter, die mit einem vollkommen guten Willen für das Werk gemacht ist und auch nicht die entfernteste Spur einer Tücke verräth. Wahrscheinlich haben die Herrn etwas recht Großes zu leisten geglaubt, daß sie diesen Effort von Gerechtigkeit ausübten, oder haben sie feurige Kohlen auf Ihr Haupt sammeln wollen. Sonst ist nicht viel in dieser Zeitung zu finden. 

Leben Sie recht wohl. 

S. 

[Adresse:]
   an HE. Geh. Rath
        von Goethe
       Hochwohlge


Bemerkungen

1 Zu S. 117. Z. 9. Goethe hatte in X. geschrieben, daß ihn Johannes Müller an demselben Abend (d. 24.) besucht habe.