Friedrich SchillerFriedrich Schiller

Friedrich Schiller an Wilhelm von Wolzogen

Weimar 7. Febr. [Dienstag] 1804.

Da die Lolo alle hiesigen Neuigkeiten gemeldet hat, außer Jagemanns Tod, der vorgestern erfolgte, so will ich bloß einen herzlichen Gruß und meinen Glückwunsch zu dem bisher so wohl gelungenen Geschäft hinzufügen. Auch daß Du bereits einen so großen Theil des Winters überstanden ist kein kleines Glück. Möge nun alles gut gehen bis zu Ende und Du, mit dem fürstlichen Paar, fröhlich bei unsern Hausgöttern anlangen! 

Wenn Du diesen Brief erhältst werde auch ich mein Geschäft, den Wilhelm Tell vollendet haben und dadurch kein geringen Noth los seyn. 

Goethe hat mich gebeten, Dir sein Anliegen, wegen Russischer Kupfermedaillen noch einmal ans Herz zu legen. Du wirst ihm gewiß ohne mein Erinnern gern diese Freude machen. Es ist einmal sein Steckenpferd, was ihn besonders jezt beschäftigt. Auch hat er wirklich schon eine recht auserlesene Sammlung zusammen gebracht. 

Lebe recht wohl, bleibe heiter und gesund und denke unsrer wie wir Dein gedenken. 

Dein 

S. 

Anbei sende ich die drei Scheine von Goethen, vom Industrie Comptoir und von dem Leipziger Kaufmann. Die ganze Auslage zusammen, die ich für diese Zeichnungen gemacht beträgt mit dem Porto 75. 14 Thlr. – Außerdem habe an den jungen Steuben 10 Ducaten in natura und 4 Conventthal. Silbergeld (weil er gar schlechterdings nichts hatte) vorgeschossen.


Bemerkungen

1 Zu S. 121. Z. 14. Im Brief vom 28. Jan. Wolzogen, Nachlaß 1849 II. S. 216. Zu Z. 24. Vgl. Goethes Brief an Wolzogen vom 4. Febr. 1804. Wolzogen, Nachlaß 1848 I. 429.
Zu S. 122. Z. 9. Karl (Charles) Steuben, der später berühmte Maler, bekannt besonders durch Portraits Napoleons, geb. 1788, war von seinem Vater aus Petersburg über Deutschland nach Paris zu Gérad gesandt. In Weimar kam er krank vor Heimweh nach der Mutter an. Lotte schrieb ganz gerührt am 28. Januar 1804 über ihn an Wolzogen: „Es hat mich aber ordentlich unglücklich gemacht, und ich möchte so was nicht erleben, ein Kind von mir so von mir zu lassen und so allein in der Welt zu wissen. Ich habe gar keine Ruhe noch Rast gehabt, und habe ihn so offen wie mein Kind behandelt, damit es ihm wohl werden sollte. Er ist auch ein bischen heiterer jetzt, wenn die arme Mutter sich auch so sehnt, so dauert sie mich unendlich. Ich gebe ihm einen Brief an Harbauer (vgl. K. unter dem 30. Januar) mit, der auf seine Gesundheit sehen soll, ich habe sonst ordentlich Angst um ihn, denn er sieht schwächlich aus. Hat er denn wirklich Talent? es scheint mir noch alles so eingewickelt, daß ich mich nicht in ihn finden kann, und ich fürchte, er kommt zu früh in eine so große Welt, und sieht zu viel in der Kunst, ehe er es verarbeiten kann, und er könnte daher auf einen falschen Weg kommen; ein halbes Talent ist mir das traurigste, was ich mir denken kann – und da er zu seiner Existenz die Kunst braucht, so ist etwas Halbes noch schwerer mit dem Leben zu vereinigen u. s. w.“
Wie schön ist dieser Zug freundlicher Fürsorge Schillers u. seiner Frau für einen Fremden. Steuben starb erst 1858. Seine Bilder Tells Sprung aus dem Boote und der Schwur auf dem Rütli gehen wohl auf Anregungen aus seinem Verkehr mit Schiller zurück. Vgl. über ihn die Allgem. Deutsche Biographie.