Friedrich SchillerFriedrich Schiller

Friedrich Schiller an August Wilhelm Iffland

Weimar den 29. Februar [Mittwoch] 1804. 

Ich erfülle einen angelegentlichen Wunsch der Frau von Stael, indem ich ihr diese Zeilen an Sie mitgebe, und sie bei Ihnen als eine Verehrerin Ihrer Kunst und große Freundin des Theaters einführe. Es wird aber, da Sie sie gewiß aus Ihren Schriften und nun auch aus Joh. Müllers Beschreibung kennen und schätzen gelernt haben, meiner Empfehlung nicht bedürfen. Sie wünscht unter andern auch den Wallenstein von Ihnen zu sehen, und ich habe ihr versprochen, mich desshalb bei Ihnen zu verwenden. Ob wir uns gleich als schlichte Deutsche in einem radikalen und unauflöslichen Gegensatz mit ihrer französischen Sinnesweise befinden, so denkt sie doch würdiger von dem deutschen Genius, als alle ihre Landsleute, und hat ein ernstliches, ja leidenschaftliches Streben zu dem Guten und Rechten. Ihre Lebhaftigkeit wäre unsern Deutschen zu wünschen. 

Sie denkt bis Anfang Sommers in Berlin zu bleiben, und ich zweifle nicht, daß das viele Schöne, was sie dort vorfindet, und die gefällige Aufnahme sie festhalten wird. 

Leben Sie wohl, mein Werthester, und lassen mich Ihrer Freundschaft empfohlen seyn. 

Schiller.