Friedrich SchillerFriedrich Schiller

Friedrich Schiller an Jakob Herzfeld

Weimar 24 März [Sonnabend] 1804.

Hierbei erhalten Sie, werthester Herr, das Mscrpt des Tell, wie wir dieses Stück hier in Weimar geben. Die Bedingungen sind dieselben wie bei der Braut von Messina u wenn ich vom Erfolg dieses Stückes auf hiesiger Bühne schließen darf, so werden Sie Aufwand u Mühe nach Wunsch belohnt finden. 

Da gegen 40 einzeln sprechende Rollen darinn vorkommen, so werden Sie, so wie wir hier gethan, die kleineren Rollen duplieren müssen, welches recht gut angeht. Ich bemerke auf beiliegendem Blatt, welche Rollens ich durch denselben Schauspieler geben lassen, doch versteht es sich, daß sich jedes Theater hierinn nach seinem Personale richtet. Hier in Weimar haben wir mit 17 Schauspielern 30 männliche Rollen besezt, ohne daß es nöthig gewesen wäre, die Hauptrollen zu duplieren. 

Das Costüme ist das des Mittelalters, nur daß durchaus die schweizerischen weiten Pumphosen getragen werden. Die gemeinen Landleute gehen im bloßen Hemd u Hosenträger, wodurch viele Kleider gespart werden. 

Auf ein geschicktes Arrangement der Volksscenen kommt das Meiste an, u hierbei, so wie überhaupt bei der ganzen Anordnung kann ich mich auf Ihre Einsicht u Sorgfalt vollkommen verlassen. 

Hochachtungsvoll verharre ich 

Ihr 

ergebenster Diener 
Fr. Schiller.      


Bemerkungen

1 Abgesandt nach K. d. 26.
X. Vom 24. Febr. (eingetr. d. 1. März). Dazwischen hatte Sch. in einem fehlenden Briefe vom 12. März bereits einmal geschrieben. Auf diesen antwortete Herzfeld d. 26. März (eingetr. d. 2. April). Urlichs, Brfe. an Sch. Nr. 406 u. 409.