Friedrich SchillerFriedrich Schiller

Friedrich Schiller an Friedrich Cotta

Weimar 1 Juni [Freitag] 1804. 

Das das Illuminiren die Zeichnungen so sehr vertheuert, so denke ich daß wir es für dieses Jahr mit sechs Bildern gut seyn lassen, auch die Landschaften und das Titelkupfer weglassen.

Die Zeichnungen nähmen wir alle aus dem Tell, die andern aus meinen übrigen Stücken heben wir fürs nächste Jahr auf, so braucht man dann nichts neues zu erfinden. Es ist auch nicht nöthig, daß alle Exemplare des Tell mit illuminirten Kupfern verkauft werden, man läßt dem Käufer die Wahl und ein Exemplar mit illuminirten Kupfern kann 12 Groschen mehr kosten, als eins ohne Kupfer. Das wäre mein unmaßgeblicher Rath, doch will ich Ihnen keineswegs etwas vorschreiben.

Hier neues Manuskript; die erste Sendung haben Sie wie ich hoffe erhalten. 

Hier auch noch eine Kleinigkeit zum DamenCalender.

Herzlich umarme ich Sie mein werthester Freund.

Ganz der Ihrige 

Sch. 

In Nro. 80 der Gemeinnützigen schweizerischen Nachrichten die zu Bern herauskommen, steht ein Artikel über den Tell, der Sie interessieren wird. Es wird darinn ernstlich darauf angetragen dieses Stück, wenn es gedruckt ist, unter den Schutz der Gesetze zu nehmen und den Nachdruck zu verhindern – Auch erfahre ich aus einem Privatbriefe, den D. Höpfner an Bertuch schrieb, daß man Ihnen und mir von Seiten der Schweiz, eine Ehre zugedacht hat. Man verlangt zu dem Ende vorläufig ein Exemplar des Tell, um es in der Tagsatzung zu Bern zu produzieren. Da man sehr damit pressiert und das Stück noch nicht gedruckt ist, so stelle ich Ihnen anheim, ob Sie ein geschriebenes Exemplar davon an D. Höpfner (quasi in Ihrem Nahmen) besorgen wollen. Man darf allerdings diese gute Gesinnung der Schweizer nicht gleichgültig ansehen, und ein Misbrauch ist unter diesen Umständen nicht wohl zu fürchten. Wenn Sie eine Abschrift davon machen lassen, so empfehle ich Ihnen sehr, sie einem aufmerksamen Corrector zur Durchsicht zu geben.


Bemerkungen

Empfangs- u. Beantwortungsvermerk:
9. Juni.
12. Juni.

1 Z. Vom 12. Juni (eingetr. d. 21. Juni).
Zu S. 148. Z. 26. Vgl. Nr. 1970 u. 1972.
Zu S. 149. Z. 10. Die Kleinigkeit ist das Gedicht: Der Jüngling am Bache. Zu Z. 14. Über Höpfner und seine Zeitschrift vgl. Vollmer in der Anmerkung in AB.