Friedrich SchillerFriedrich Schiller

Friedrich Schiller an Friedrich Cotta

Weimar 8. Jun. [Freitag] 1804.

Hier, mein werthester Freund, erfolgt der ganze Rest des Manuscripts zum Tell, nichts fehlt mehr als Titel, Personenverzeichniß, Zueignung und Erklärung der Kupfer, welches zusammen 6 Blatt oder einen halben Duodezbogen füllt. Es wird in etwa 14 Tagen folgen. Ich erwarte nun nächstens Correctur Bogen von Ihnen; illuminirte Abdrücke von den ersten Kupfern sollen Sie in 8 oder 10 Tagen erhalten. 

Meine Absicht ist nicht, lieber Freund, mich in Berlin zu fixieren, aber einige Monate im Jahr dort zuzubringen, kann mir vortheilhaft seyn, und nach den Anträgen, die man mir dort gemacht kann ich hoffen, daß man mich dazu auf eine königliche Art in den Stand setzen werde, ohne mir zuzumuthen, meine hiesigen Verhältnisse aufzugeben. Diese leztern sind mir neuerdings noch vortheilhafter geworden, da mir der Herzog eine sehr ansehnliche Gehaltsvermehrung bewilligt hat. 

Göschens Benehmen ist mir ganz unbegreiflich, da er mit Ihnen doch auf einem so freundschaftlichen Fuße zu stehen schien. Ich muß glauben, daß gemeine Menschen dabei im Spiele sind, die ihn hetzen. Interesse kann es nicht seyn, da er, nach den geschehenen Aeuserungen, kein Verlagswerk mehr von mir erwarten kann, und auch keinen Versuch dazu gemacht hat. 

Kann ich aus Goethen einen poetischen Funken herausschlagen, so soll es an mir nicht fehlen, aber leider sehe ich jetzt wenig Anschein dazu, da ihm andre Sachen den Kopf warm machen.

Meine Frau grüßt Sie und Mad. Cotta herzlich, und ist von den freundlichen Zeilen der leztern sehr erfreut worden. Leben Sie wohl theurer Freund. Ganz der Ihrige 

Schiller.


Bemerkungen

Empfangs- u. Beantwortungsvermerk:
15. Juni.
19. Juni.

1 X. Vom 1. Juni (eingetr. d. 5. (?) Juni). Z. Vom 19. Juni (eingetr. d. 26. Juni).
Zu S. 155. Z. 4. Schiller plante eine Zueignung an Dalberg. Sie unterblieb, weil Dalberg sie bescheiden ablehnte. Brief vom 6. Juli 1804. Charl. v. Sch. I. S. 294. Zu Z. 18. Vgl. X. Zu Z. 26. Ich weiß nicht, welche Sachen Goethe jetzt am Dichten verhinderten. Vielleicht meint Sch. die Sorge für die Allgemeine Litteratur-Zeitung.