Friedrich SchillerFriedrich Schiller

Friedrich Schiller an Gottfried Körner

Weimar 3. Jul. [Dienstag] 1804.

Wir haben bis jezt auf Nachrichten von eurer Ankunft zu Schandau gewartet; da aber noch immer nichts kommt, so schreibe ich unter Deiner gewöhnlichen Adresse nach Dresden, denn vermuthlich werdet Ihr nun bald wieder zu Hause seyn. Wir wünschen herzlich, daß der Minna die Kur möchte gut bekommen seyn und dass ihr euch alle wohl befindet. 

Bei uns hat sich indeß nichts verändert. Meine Frau rechnet mit Anfang Augusts niederzukommen, in 10 oder 12 Tagen gehen wir nach Jena ab, wo wir wahrscheinlich bis Ende Augusts bleiben. Unter diesen Umständen wird es freilich mit meinen Arbeiten nicht viel seyn, ich bin einmal praedestinirt im Sommer nicht viel zu leisten.

In Absicht auf meine Berliner Angelegenheit ist soviel entschieden, daß ich auf keinen Fall aus meinen hiesigen Verhältnissen trete. Der Herzog hat sich sehr generöss gegen mich betragen und mir meine Besoldung auf 800 Thlr. erhöht, auch versprochen, bei ehester Gelegenheit das 1000 voll zu machen1. Doch bitte ich Dich, die Sache noch geheim zu halten, weil meine Negotiation in Berlin noch nicht abgebrochen ist, und es sich vielleicht thun läßt, beide Verhältnisse zu vereinigen; denn auch dieß hat mir der Herzog erlaubt, wenn man in Berlin damit zufrieden ist, daß ich nicht ganz hinziehe, sondern nur auf gewisse Zeiten im Jahre dort zubringe. Ich erwarte nun in Kurzem von dorther Antwort und wird mirs accordiert, so stehen meine Sachen auf einem guten Fuß. 

Lebe recht wohl und gieb mir bald eine Zeile Nachricht wie es um euch steht. 

Dein 

Sch.


1 Nach dem Kalender S. 165 schrieb Schiller am 5. Juni „an den Herzog wegen einer Zulage“ und erhielt am 8. „vom Herzoge die Zulage von 400 Rthlr. akkordirt.“ Auf den Brief vom 5. antwortete der Herzog am 6. ohne bindendes Versprechen, indem er sich nur nach „denjenigen Mitteln“ erkundigte, „durch welche er den ihm so erfreulichen Vorsatz zu bleiben, belohnen könne, und wodurch er Schillers Existenz als Hausvater in eine Lage zu bringen vermögte, die für die Dauer den Dichter nicht bereuen ließe, das kleinere Verhältniß dem größeren vorgezogen zu haben“. Schiller muß darauf umgehend geantwortet haben, da der Herzog am 8. Juni schreibt: „Empfangen Sie, werthester Freund, meinen wärmsten Dank. Ich freue mich unendlich Sie für immer den Unsrigen nennen zu können.“ (Carl Augusts erstes Anknüpfen mit Schiller. Stuttg. 1857. Nr. 11, 12.)


Bemerkungen

1 Abgesandt nach K. d. 5.
Z. Vom 7. Juli (eingetr. d. 12.).