Friedrich SchillerFriedrich Schiller

Friedrich Schiller an Gottfried Körner

Weimar, 11. Oct. [Donnerstag] 1804.

Nach und nach fange ich an, mich wieder zu erhohlen und einen Glauben an meine Genesung zu bekommen, den ich seit 8 Wochen beinahe ganz verloren hatte. Auch zur Thätigkeit finden sich wieder Neigung und Kräfte, und diese, hoffe ich, wird das gute Werk vollenden; denn wenn ich mich beschäftigen kann, so ist mir wohl. 

Was ich eigentlich zunächst treiben werde, weiß ich selbst noch nicht, weil ich immer noch zwischen zwei Planen unschlüssig schwanke, und einen um den andern durchdenke, bis ich mich entscheide. Der Attila ist ein abgeschmackter Einfall, der mir nie in den Sinn gekommen. 

Von Berlin habe ich noch nichts weiter vernommen. Vermuthlich will man die Sache fallen lassen, weil ich auf einem fixen Aufenthalt in Weimar und der Fortdauer meiner hiesigen Verhältnisse bestanden habe. Ohnehin hätte ich jedes Engagement in meinen jetzigen Umständen ausschlagen müssen, da ich meiner Gesundheit gar nicht viel zutrauen kann. Auch kann ich mit meinen gegenwärtigen hiesigen Verhältnissen recht wohl zufrieden seyn, und es ist nicht unmöglich, daß sie sich noch weiter verbessern, da unsere Erbprinzessin, wie ich höre, gute Gesinnungen für mich mitbringt. 

Hier schicke ich den Tell und wünsche, daß er Euch jetzt, mit Muße wieder gelesen, einiges Vergnügen machen möge. 

Alles ist wohl und grüßt Euch schönstens. Laß bald etwas von Dir hören 

Dein 

S.


Bemerkungen

1 Zu S. 179. Z. 24. Der Freimüthige hatte die Nachricht gebracht, Sch. arbeite an einem Attila. Körner im Brief vom 27. Juli hatte die Nachricht bezweifelt. Vgl. auch Aus Weimars Glanzzeit von Diezmann S. 24.