Friedrich SchillerFriedrich Schiller

Friedrich Schiller an Siegfried Lebrecht Crusius

Weimar 21. Nov. [Mittwoch] 1804.

Ich danke Ihnen recht herzlich für Ihre freundschaftliche Theilnahme an meinem Befinden und freue mich Ihnen melden zu können, daß es jetzt wieder besser um mich steht und auch die Thätigkeit, die ich lange unterbrechen mußte, sich wieder einfindet. Ich habe nur die Festivitaeten abwarten wollen, die der Einzug unsrer Erbprinzessin hier veranlaßte und war eben mit Ausfertigung des hier folgenden Paquets beschäftigt, als ich Ihr werthes Schreiben vom 19ten empfing. 

Sie erhalten nun hiebei das Mscrpt zu der zweiten Auflage des Zweiten Bandes meiner Gedichte. Da in den lezt verflossenen anderthalb Jahren verschiedene neue Gedichte entstanden sind, und es noch viele Jahre anstehen kann, bis sich Stoff genug zu einem dritten Bande findet, so habe ich diese neuen Gedichte diesem zweiten Bande noch einverleibt, der dadurch an Gehalt gewinnt und nun mit Recht eine vermehrte Auflage heißen kann. 

Sie haben die Güte, sie in der Ordnung abdrucken zu lassen, wie ich sie in dem Inhaltsverzeichniß angemerkt habe. 

Was die Prachtausgabe betrift, so habe ich nun die Eintheilung dazu gemacht, und sämmtliche Gedichte, die darin Platz finden sollen, mit genau ausgerechneter ZeilenZahl und in der Ordnung, die ich für die schicklichste hielt, abschreiben lassen. 

Es sind Vier Bücher, deren jedes im Durchschnitt 10 Bogen oder 80 Quartseiten zählt. 

Mit nächster MontagsPost hoffe ich Ihnen das Mscrpt zusenden zu können. 

Freylich würde mirs angenehm seyn, wenn in der Michaelismesse kommenden Jahrs das Werk erscheinen könnte, da ich selbst eine Freude daran habe.