Friedrich SchillerFriedrich Schiller

Die Horen 3/1797

 

I. 

Robert Guiscard. 

Fortsetzung.

Mitten in dieser glänzenden Laufbahn, nach einer Kette von Siegen, die ihn zu den kühnsten Erwartungen berechtigten, sahe er sich plözlich durch unglückliche Nachrichten aus Italien aufgehalten. Die Politik eines Gegners, den er im ofnen Felde niedergeschmettert hatte, wand ihm durch einen Federzug in seinem Kabinette die Früchte aller seiner Anstrengungen aus den Händen, und an dem nie bezähmten Geist der Unabhängigkeit seiner Barone scheiterte das Glück und die Tapferkeit des Herzogs. Anstatt der erwarteten Unterstüzungen überbrachten schnell aufeinander folgende Bothen die dringendsten Bitten um Hülfe. In einer Bergfestung eingeschlossen, that der junge Roger den empörten Normannen nur noch schwachen Widerstand, und der deutsche König Heinrich belagerte zum dritten Mahle Rom, und hatte ein enges Bündniß mit dem griechischen Kaiser geschlossen. Gregors Rettung konnte allein die Deutschen von den Staaten Roberts entfernt halten, dem jezt ausser einem bis auf das Drittheil geschmolzenen Heere mitten in einem feindlichen lande nichts übrig blieb, als die Hilfsquellen, die er in sich selber fand. 

In der stolzen Überzeugung, daß seine Gegenwart allein die Übel gut machen könnte, die seine Abwesenheit veranlaßt hatte, wagte er’s, nur von wenigen Rittern begleitet, mit seiner Gemahlinn auf zwey Schiffen nach dem empörten Lande überzufahren. Um Alexius Anschläge zu vernichten ließ er sein Heer unter der Anführung eines Helden zurück, der allein im Stande war, ihn selbst zu ersetzen. Bohemund bedurfte keiner Vorschrift, wie er den Krieg führen sollte, sein Vater empfahl ihm blos, die zurückbleibenden Grafen als seines Gleichen zu betrachten, diesen aber, dem obersten Feldherrn zu gehorchen. 

Schon das Gerücht von Roberts Ankunft gab der Partey, die ihm noch getreu war, Muth, das Schloß, worin Roger belagert war, zu entsezen. Mit jedem Schritt, den der Herzog in seinem Lande vorwärts that, vergrösserte Furcht oder Zuneigung seine Macht. Ein fürchterliches Beispiel seiner Rache an der Stadt Cannae, die er von Grund aus zerstöhrte, schreckte die übrigen, und Herrman, Abälards Bruder, der tapfre Anführer der Rebellen, unterlag dem Misgeschick seines Hauses und dem überlegnen Geist seines Oheims. Tod oder Verstümmlung war die Strafe der Gefangnen, und ihre eingezognen Güter bereicherten den Herzog. Eine Summe von 30,000 Goldgulden, die er dem Pabst schickte, erhielt die wankende Treue der Römer, und die ungesunde Luft der Hauptstadt zwang die Deutschen zum Rükzug. 

Robert gewann nun Zeit zu neuen Zurüstungen, die um so dringender waren, weil Heinrich schon im März des folgenden Jahres 1084 wieder vor Rom erschien. Ein Geldbetrag von 144,000 Goldstücken war, mit kaiserlichen Geschenken begleitet, aus Constantinopel angekommen, und hatte dem größten Bedürfniß des deutschen Kaisers abgeholfen. Die Römer, der langen Belagerung überdrüssig, durch Heinrichs Freigebigkeit, durch sein leutseliges Betragen gegen alle, die zu ihm ins Lager kamen, und durch die Versicherung gewonnen, daß die ihm unrechtmäßig verweigerte Krönung der einzige Grund der Feinseligkeiten sey, verlangten dringend die Übergabe der Stadt. Die hartnäckige Weigerung ihres geistlichen Oberhaupts erbitterte sie gegen den Urheber ihrer Drangsale, und sie öfneten selbst den Deutschen ihre Thore. Der Gegenpabst Clemens III nahm Besitz von dem Lateran, und setzte seinem Beschützer die Kaiserkrone auf. Gregor war in dem Thurm des Crescenz, der jetzigen Engelsburg, eingeschlossen, sein Neffe vertheidigte sich mit sinkenden Kräften in den Mauern des Septizoniums, und dringende Bothschaften foderten den Herzog zur Rettung auf. 

Lehnspflicht, Ehre und Klugheit liessen ihn nicht länger anstehn, dem bedrängten Papst zu Hülfe zu eilen, ein Ausschreiben both die ganze waffenfähige Jugend der Normannen und Longobarden auf, und 6000 Ritter und 30,000 Mann zu Fuß versammleten sich bey Salerno unter dem Panier der Kirche. Die tiefgedemüthigten Barone konnten ihre Mannschaft von dem verdrüßlichen Kriege nicht zurückhalten, und der von dem Kaiser gewonnene Fürst von Capua schloß sich in seiner Hauptstadt ein. 

Nahe vor Rom schlug Robert sein Lager auf, aber Heinrich war schon von seiner Annäherung benachrichtigt worden, und hatte sich nach Siena entfernt. Bey seiner Kenntniß von dem Wankelmuth der Römer und der Treulosigkeit ihrer Barone, welche die Gegenwart eines Kaisers schnell zu Anhängern des Pabstes machte, wagte er es nicht, sich mit der kleinen Anzahl seiner Deutschen einer Belagerung auszusezen. Dennoch schloß das noch immer gegen seinen Hirten aufgebrachte Volk die Thore vor dem Herzog, aber die Anhänger Gregors zeigten ihm einen schwach besezten Ort der Mauer, den er durch eine Schaar ausgesuchter Ritter ersteigen, und darauf den übrigen Truppen einen Zugang eröfnen ließ. Mit dem gewöhnlichen Feldgeschrei: Guiscard! stürmten sie durch die Straßen, und die überraschten Römer mußten sich nach einer kurzen Gegenwehr unterwerfen. Der Pabst wurde nun im Triumph aus der Engelsberg auf das Capitol geführt, aber die zu strenge Rache, die er an seinen Beleidigern nahm, und die Ausschweifungen der Normannen empörten die Bürger: Eine mächtige Partey, die es mit dem Kaiser hielt, erregte einen Aufruhr, und am dritten Tage nach der Einnahme mußte Robert mit den erbitterten Römern einen wüthenden Kampf in der Straße der Hauptstadt bestehen. Die Enge des Raums machte seine Reuterey unnütz; um sich zu retten, schritt er zu dem grausamen Mittel, Feuerbrände in die Häuser werfen zu lassen. Die Bürger eilten aus dem Kampf, um zu löschen, und der junge Roger bekam dadurch Zeit, mit frischen Truppen und den Sarazenen, welche ihm der Graf von Sicilien zu Hülfe geschickt hatte, die versperrten Thore zu sprengen. Alle Greuel der Verwüstung einer von Barbaren erstürmten Stadt trafen jetzt über den unglücklichen Römern zusammen. Sarazenen und Christen wetteiferten mit einander in der Wuth der Verherrung; Weiber, Kinder und Greise wurden ein Raub des Schwerdts oder der Flamme, und noch war der Tod ihr sanftestes Loos. Mehrere Tage dauerte die Plünderung, und Robert mußte Ausschweifungen gut heisen, die er nicht mehr verhindern konnte. Ein ganzes Quartier der Stadt, vom Lateranischen Pallast bis an das Collisäum lag in der Asche, und Erschlaffung allein machte dem Morden ein Ende. 

Ein fürchterliches Blutgericht verlängerte die Schrecken der verödeten Stadt, nachdem die Wuth des ersten Sturms sich gelegt hatte. Das Beil des Henkers, Verstümlung oder Sclaverey rächte den Pabst an seinen noch übrigen Gegnern. Aber der Anblick einer Wüste wurde bald ihm selbst unerträglich, und innere Vorwürfe oder Furcht verbannten ihn auf ewig aus seiner Hauptstadt. Robert gab ihm eine Zuflucht in Salerno, wo er seinen traurigen Triumph kaum ein volles Jahr überlebte. 

Hier erneuerte er seinem Beschützer das Versprechen, ihm die Krone Italiens aufzusetzen, und weihete die Waffen, die Robert abermals zu Eroberung des Morgenländischen Kaiserthums zu ergreifen bereit war. Nichts konnte den stolzen Besieger Roms von diesem festen Entschluß abwenden, er wollte nun zum letzten Mahle nach Griechenland übergehn, und nicht eher, als in dem Pallast der Nachfolger Constantins sein Schwerdt einstecken. Nur Jordan, der sich zu sichtbar auf die Seite des Kaisers geneigt hatte, sollte erst noch die Rache des Herzogs empfinden, er wurde in Capua belagert, aber seine Unterwerfung, Gregors Vermittlung, und mehr noch die aus dem Orient einlaufenden Nachrichten verschafften ihm einen erträglichen Frieden. 

Zweymahl hatte Bohemund den griechischen Kaiser geschlagen, zuletzt erlag er mehr Alexius Künsten, als der Gewalt seiner Waffen. Die Schiffe, welche seinem Heere den Sold überbringen sollten, waren ausgeblieben, und die stets widerspenstigen Normännischen Grafen giengen mit ihren Vasallen zu den Griechen über. Die Flotte der Venetianer verherrte Durazzo, und nur durch seine plötzliche Erscheinung erhielt der junge Feldherr seinem Vater die Burg. Aber jetzt bedroheten die Feinde Corfu, und Bohemund, von seinen Truppen verlassen, erschien zu Salerno vor dem Herzog, der groß genug dachte, die Folgen unverschuldeten Unglücks und neidischer Treulosigkeit dem Helden nicht zur Last zu legen. 

Aber alle diese Umstände beschleunigten die Ausführung seines Vorsatzes. Alle Zurüstungen waren fertig; noch nie hatte sich Robert an der Spitze einer furchtbarem Macht gesehen. Durch den Segen der Kirche, durch die Gewohnheit auswärtiger Kriege, und die Plünderung Roms, war die Neigung der Normannen zu fernen Abentheuern wieder erwacht. Zwanzig Galeeren mit dreifachen Ruderbänken, hundert und zwanzig bewafnete Fahrzeuge, und eine noch grössere Anzahl von Lastschiffen, mit Kriegsmaschinen, Gepäck und allen nöthigen Vorräthen beladen, lagen bereit in den Häfen am ionischen Meer. 

Kein Gegner blieb jezt hinter ihm zurück, der ihn noch einmal mitten in seiner Laufbahn hätte aufhalten können; Heinrich war mit häuslichen Feinden beschäftigt, Jordan tief gedemüthigt, und für die innre Ruhe in Roberts Staaten bürgte die Gegenwart Gregors. Alexius hatte in drey Feldzügen der unwiderstehlichen Tapferkeit einer durch Hunger, Krankheit und Elend geschwächten kleinen Anzahl von Normannen unterlegen, das blühende Heer, das Robert jetzt nach Griechenland führte, mußte den Thron von Constantinopel umstürzen. Noch war Durazzo sein, das Land und die Künste ihm bekannt, ein fester Plan für den Feldzug entworfen, und der Flotte der Venetianer setzte er die Eifersucht von Amalfi entgegen. Erbittert über die Vortheile, welche ihrer grossen Nebenbuhlerin in dem Bündniß mit dem morgenländischen Kaiserthum gewährt worden waren, und vorzüglich über den Tribut, den ihre Schiffe in allen griechischen Häfen dem Schutzheiligen Venedigs bezahlen sollten, hatte diese kühne Handelsstadt ihre letzten Kräfte aufgebothen, die Unternehmung des Herzogs zu begünstigen. 

Am Ufer trennte er sich von seiner Gemahlin, die bis jetzt in allen Gefahren seine treue Begleiterin gewesen war. Bohemund, Roger und Robert, seine drey ältesten Söhne, bestiegen mit ihm die Galeeren, und führten, so wie ihr Vater, jeder eine Abtheilung von fünf Triremen an. Durch widrige Winde und die Wachsamkeit der feindlichen Flotte, wurden sie länger als ihre Absicht war, in den italienischen Häfen zurückgehalten, bey der ersten günstigen Luft, spannten sie die Segel auf, sezten glücklich ihre LandTruppen an der feindlichen Küste ab, und führten sogleich ihre Schiffe zum Angriff. 

Die leichten griechischen Fahrzeuge wurden schnell gegen die zweite Linie zurückgetrieben, aber hier empfieng die Normannen ein dichter Regen von Steinen und tödlichem Geschütz, welches die neun größten venetianischen Schiffe von ihren hoch hervorragenden Vordertheilen über die Masten der Griechen wegschleuderten. Die nachsetzenden Normanen wurden stark beschädigt, und nach einem fruchtlosen Versuch, die Schiffe des Kaisers zu entern, zum Rückzug genöthigt. 

Der Herzog selbst ertheilte dazu den Befehl, und berief die Anführer der Flotte auf seine Galeere, um Kriegsrath zu halten. Mit Nachsicht und Kälte untersuchte der erfahrne Krieger die Fehler, welche ihm den Sieg entrissen hatten und entwarf den Plan zu dem Angriff des folgenden Tages. Die Stärke des Feindes bestand in der hohen Bauart ihrer schweren Kriegsschiffe, die von ihren, über die Segel der gewöhnlichen Galeeren hervorragenden Maschinen Tod und Vernichtung in weiter Ferne umherschleuderten, und in der Gewandheit der leichten Fahrzeuge, welche durch schnelle Bewegungen dem Angriff der Tiremen entschlüpfen, und so bald sie gedrängt wurden, sich unter das Geschütz jener furchtbaren schwimmenden Vestungen zurückzogen. Robert glaubte der tödlichen Wirkung der Maschinen am sichersten durch einen raschen Angriff zu entgehen, überzeugt, daß, sobald es ihm gelänge, sich an die grossen Schiffe anzuhängen, die Tapferkeit seiner Normannen im Handgemenge den Sieg entscheiden würde. Er befahl daher seinem Sohn Roger, welchem die Ehre des Vortrabs bestimmt war, sich durch die Neckereien des leichten Geschwaders gar nicht aufhalten zu lassen, sondern gerade auf den Mittelpunkt der Venetianer los zu rudern. Bohemund und der junge Robert wurden den vierzehn Galeeren auf den beiden vorspringenden Flügeln entgegen gestellt, und er selbst behielt sich das Hintertreffen vor, um in dem Moment der Entscheidung sich nach jeder Seite wenden zu können. 

Roger führte seinen Auftrag mit unerschrocknem Muthe aus. Er zerstreute schnell den Schwarm der leichten Brigantinen, drang bis in die Mitte des furchtbaren Halbcirkels vor. Aber hier hatten ihn die Venetianer erwartet; auf ein gegebnes Zeichen fiengen alle ihre Maschinen auf einmal an zu spielen. Pfeile, Wurfspiesse, mit eisernen Zacken beschlagne Klötze und Felsenstücke stürzten von allen Seiten auf die Schiffe des Prinzen herab. Ihr Verderben kam aus der Luft, sie hatten nicht einmal den Trost, Rache an ihren Feinden zu nehmen. Roger war verwundet, keiner der Schiffleute mehr seiner Glieder mächtig, seine Ruderknechte erschlagen. Ohne Steuer trieben die Galeeren, ein Spiel der Wellen umher, unfähig sich den feindlichen Schiffen zu nähern, und eine sichre Beute der leichten Fahrzeuge, so bald sich die Flotte des Herzogs zurückziehen würde. In wilder Verzweiflung griff Robert mit seiner ganzen Macht die feindlichen Flügel an, und indem es ihm endlich gelang, die Griechen und einige venetianische Galeeren bis in den Mittelpunct der Schlachtordnung zu drängen, brachte er das dahin gerichtete Geschütz der Feinde zum Schweigen. Diesen Augenblick nüzte er, die beschädigten Galeeren aus dem Gedränge zu reissen, und den Rückzug anzubefehlen. Verschiedne Schiffe waren gesunken, mehrere unbrauchbar geworden, aber keines in die Gewalt der Feinde gerathen. 

In dem Kriegsrathe dieses Abends überlegte er, ob es nicht weiser sey, einen sichern Hafen zu suchen und sich der Herrschaft des Meeres bis auf günstigere Umstände zu begeben. Der Rath eines Überläufers bestimmte ihn zu der dritten Schlacht. Um alle Fahrzeuge bewaffnen zu können, hatten die Venetianer nicht nur den Mundvorrath, sondern auch die ungeheuern Steinlasten, welche sie gegen die Feinde schleuderten, anstatt des Ballastes auf die grossen Kriegsschiffe geladen. Durch die Menge der in den ersten Tagen verschoßnen Steine, waren die hohen Gebäude zu sehr erleichtert worden, sie giengen nicht mehr tief genug im Wasser, und schwankten bey dem Gegendruck der arbeitenden Maschinen. Robert änderte daher nichts in seinen Befehlen, und die Richtigkeit seiner Schlüsse zeigte sich bey dem ersten Angriff. Unsicher war die Wirkung des Geschützes, bey jedem Wurf tauchten die Vordertheile sich tief in die See, und die Steuer ragten in die Luft empor. Die vierzehn Galeeren der Venetianer ergriffen erst nach einem hartnäckigen Kampfe die Flucht, aber von den grossen Schiffen, die sich jetzt nur mit äusserster Unbehülflichkeit bewegen konnten, versanken sieben in den Wellen, die beiden übrigen wurden nebst einer Menge leichter Fahrzeuge eine Beute der Sieger. Zehntausend Menschen fanden im Meere ihr Grab, zweytausend fünfhundert geriethen in Roberts Gefangenschaft und dienten ihm als Geissel, die Unterwerfung ihrer Mitbürger in den Seestädten und Inseln zu erzwingen. 

Vollkommner war nie ein Sieg gewesen, wichtiger in seinen Folgen versprach keiner zu werden. Die stolzen Despoten des Meers in ihrem eignen Element überwunden, wagten nicht mehr vor den Normannen zu erscheinen. Alexius Seemacht war vernichtet, bis an die Küsten des Hellesponts kein Feind, der Roberts Fortgang hemmen konnte. Seine Besatzungen in Epirus jauchzten ihrem Erretter entgegen, alle SeeHäfen von Durazzo bis Bothrent, alle feste Städte Griechenlands, jeder Ort, vor dem er erschien, gehorchte seinen Befehlen. Die späte Jahrszeit des Octobers allein konnte ihn aufhalten. Er ließ seine Schiffe in der Mündung eines kleinen Stromes überwintern, und gab der Reuterey Quartiere in den fettesten Gegenden des Landes. 

Mit der Wiederkehr des Frühlings musterte er seine Truppen, und bereitete sich, an der Küste von Griechenland hin, von seiner Flotte unterstützt, bis an die Kaiserstadt vorzudringen. Die Weite des Umwegs wurde durch den Vortheil, in einem reichen, des Kriegs ungewohnten Lande, Überfluß an allen Bedürfnissen, und nirgends Widerstand zu finden, weit überwogen, die Herrschaft des Meeres sicherte jeden seiner Fortschritte, und Robert überließ sich der glänzenden Hofnung, in dem kurzen Zeitraum zweier aufeinander folgenden Jahre, seine Siege von dem Capitol bis an die goldnen Thore des neuen Roms auszudehnen. 

Ein geringer Umstand erfüllte das Heer mit neuem Enthusiasmus für einen Helden, dem selbst die Kräfte der Natur zu Gebot standen. Der unerwartete Erfolg, daß nach heftigen Regengüssen die Schiffe in der Mündung des Flusses, wo sie vor Anker lagen, plötzlich sich auf dem Trocknen befanden, schlug den Muth der Truppen nieder. Der Aberglaube staunte dies Wunder an, und zog daraus abschreckende Folgerungen für den nächsten Feldzug. Robert schloß sogleich, daß der Strom in den höheren Gegenden das Land überschwemmt habe und daher beym Ausfluß versiegt sey. Ein kleines Corps, das mit einer grossen Anzahl von Arbeitern abgeschickt wurde, leitete durch vorgezogne Dämme die Gewässer wieder in ihr altes Bette, und mit der wiederkehrenden Fluth kehrte auch der Muth der Krieger und ihr Zutrauen auf den Feldherrn zurück. 

Roger bekam den ehrenvollen Auftrag, voraus zu gehen, und die freiwillige Unterwerfung der Inseln zu empfangen. Bohemund konnte seinen Vater nicht begleiten; von einem heftigen Fieber ergriffen, mußte er sich an der Calabrischen Küste aussetzen lassen, um in der Luft seiner Heimath zu genesen. Ungern willigte Robert in diese Trennung, und nur um dem Volke eine stets heitere Stirn zu zeigen, verbarg er seine Betrübniß. Bald aber verschlang die Freude endlich den letzten Schritt zur Erfüllung aller seiner Wünsche zu thun, jedes andere Gefühl. Unter den glücklichsten Vorbedeutungen, von dem frohen Zuruf der Landmacht begleitet, und mit Jubelgeschrey von dem Schiffsvolk empfangen, das jetzt mit der nie besiegten normännischen Reiterey um den Preis der Tapferkeit wetteiferte, bestieg er seine Galeere. Ein wolkenleerer Himmel spiegelte sich in der klaren Fluth, und beide verhießen die glücklichste Fahrt; Constantinopel war der Sammelplatz. 

Anders hatte es das Schicksal beschlossen. Mit fürchterlicher Schnelligkeit verbreitete sich auf den Schiffen ein ansteckendes Übel. Die Hitze des Sommers vermehrte die Wtuh der tödtlichen Seuche, und unter den Kranken befand sich jetzt auch der Herzog. Er wurde zu Antonia ans Land gebracht, aber das Mittel, welches das Leben des blühenden Bohemund rettete, blieb unwirksam bey dem sechszigjährigen Robert. Seine Gemahlin konnte kaum früh genug herbey eilen, um ihn in ihren Armen sterben zu sehn. 

Der 17te Julius des Jahrs 1085 war sein Todestag. Mit ihm sanken alle seine hohen Entwürfe ins Grab und der Glanz des apulischen Staates erlosch. Das Heer, von panischem Schrecken ergriffen, verließ seine Eroberungen, und stürzte sich auf die Schiffe. Mit einer solchen Eil drängten sie sich zur Rückkehr, daß viele mit ihren Pferden ins Meer sprangen, und über der Begierde, sich zu retten, ertranken. Kein Feind hatte sie gedrängt, erst nach einigen Tagen wagten sich die Griechen an die Küste hervor, und machten zitternd die Zurückgebliebenen zu Sklaven. Ein fürchterlicher Sturm ergriff die Flotte, und nur ein kleiner Theil des mächtigen Heeres, das noch vor wenig Tagen einem Kaiserthum den Umsturz drohete, sah die Ufer der Heimath wieder. Auch die Galeere, welche Roberts Gemahlin überführte, versank in den Wellen. Gaita rettete sich auf einem Kahn, aber nur mit Mühe konnte man dem wüthenden Element die leblosen Überreste des Helden entreißen.

 

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