Friedrich SchillerFriedrich Schiller

Die Horen 7/1797

 

V. 

Zuversicht. 

Von deinen Seelenblicken tief durchdrungen!
   Von deinen Armen inniglich umschlungen!
Von deines Herzens leisem Ton durchklungen
   So biet’ ich lächelnd den Verwandelungen
Des Zeitenwechsels trotz! Kann er mir rauben
   Was deine Liebe gab? den hohen Glauben
An Geisterwürde? dies Zusammenstralen
   Wo Aug’ in Aug, wie Sinn in Sinn sich mahlen!
Dies Schweben auf der Ahnung Äther-Flügeln,
   Dies Blicken in der Zukunft hellen Spiegeln!
Erinnerung, ach, deiner Wonnen Fülle
   Umdämmert von der Wehmuth zarten Hülle!
Wo in sich selbst zu stillem Schau’n entbunden
   Der innre Sinn ein Eigenthum gefunden!
In Unschuldswelten unter Blumen wallet
   Wo Harmonie aus Schattendunkeln hallet!
Und dieser Einklang gleichgestimmter Saiten
   Er könnt’ einst kraftlos uns vorüber gleiten?
Ach wir verfehlten uns im Schatten-Lande?
   Und lösbar wären reiner Liebe Bande?
Es kämen Stunden dir und mir, in denen
   Wir uns zertrennbar und vereinzelt wähnen?
Es gäbe Fernen, wo wir uns entschwänden?
   Nein, Theon, nein! auch an des Raumes Enden
Thürmt keine Mauer sich den Geistern! schnell erfliegen
   Sie der Erinnrung Leiter! Sie besiegen
Der Körper Schwere; ihrem Wollen biegen
   Sich aller Sinne Schranken; sie erschweben
Der Möglichkeit umeis’ten Gipfel; heben
   Sich triumphierend auf des Erdballs Trümmern
Und sehen fern der Heimath Stenre schimmern.

 

<   >