Friedrich SchillerFriedrich Schiller

Die Horen 8/1797

 

II. 

Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Marschalls von Vieilleville. 

Fortsetzung.

Vieilleville lebte jetzt drei Monathe ruhig auf seinem Gut Durestal, und erholte sich von den Mühseligkeiten des Kriegs. Unterdessen hatte man ihm bei Hofe das Gouvernement von Mez, wo der Herr von Gonnor gegenwärtig kommandierte, zugedacht; besonders verwendeten sich für ihn der Herzog von Guise und von Nevers als Augenzeugen seiner Thaten vor Mez. Allein der Connetable warf sich auch hier dazwischen, und stellte vor, daß man Herrn von Gonnor, der die Belagerung ausgehalten habe, nicht absezen könne, und es Vieillevillen lieber seyn würde, wenn ihn der König zu seinem Lieutenant in Bretagne machte, wo er seine Familie und Güter hätte. Denn der Herzog von Estampes, jeziger Gouverneur von Bretagne, sey sehr krank, es würde sodann der Herr von Gyé, sein Leutnant, ihm folgen, und Vieilleville dessen Stelle erhalten können. 

Vieilleville wurde davon fünfzehn Tage nach Ostern 1553 durch den Secretaire Malestroit heimlich benachrichtigt, um sich auf eine Entschließung gefaßt zu halten. Das Schreiben vom König vom 22ten April 1553 kam auch wirklich an, und war so abgefaßt, wie es der Connetable gewollt hatte. Vieilleville antwortete dem König sehr ehrerbietig, wie ihn hauptsächlich vier Ursachen hinderten, diese Gnade anzunehmen. Erstlich, sey Estampes nichts weniger als gefährlich krank, es würde dieses beide von einander entfernen, da sie jezt in gutem Vernehmen stünden; über dem sey er ja selbst zwei Jahre älter als Herzog von Estampes. Zweitens habe er sehr viele Verwandte und Freunde, die sich vielleicht auf ihre Verwandtschaft stüzen, und sich gegen die Geseze vergehen könnten, wo er dann, ein Feind aller Partheilichkeiten, streng verfahren müste, und doch würde es ihm leid sey, seine Bekannten als Verbrecher behandelt zu sehen. Drittens, sey er noch gar nicht in den Jahren, um sich in eine Provinz versezt zu sehen, wo man ruhig leben könne und nichts zu thun habe, als am Ufer spazieren zu gehen, und die Ebbe und Fluth zu beobachten. Er habe erst zwei und vierzig Jahr, und hoffe noch im Stand zu seyn, Sr. Majestät vor dem Feind zu dienen. Es würde ihm viertens zu hart vorkommen, unter dem Herrn von Gyé zu dienen, der ein Unterthan von ihm sey, und mit dem er nicht ganz gut stehe. Er wisse, daß Se. Majestät ihm das Gouvernement von Mez zugedacht, und er sey verwundert, wie man sich so zwischen den König und ihn werfen, und alles vereiteln könne, was ihm dieser bestimmt habe. 

Als der König diesen Brief gelesen, wurde er aufgebracht, daß man ihm so entgegenstünde, ließ den Connetable rufen, und sagte ihm sehr bestimmt, daß Vieilleville das Gouvernement von Mez haben solle. Gonnor solle sogleich aus Mez heraus und Vieilleville dahin abgehen, welches denn auch geschah. Er brachte eine sehr ausgedehnte Vollmacht mit, wodurch er über Leben und Tod zu sprechen hatte, und die Commandanten von Toul und Verdun so eingeschränkt wurden, daß sie gleichsam nur Capitains von ihm waren. Er hatte den Sold der Garnison auf zwei Monathe mitgebracht, und ließ ihn austheilen, jedoch so, daß Mann für Mann von dem KriegsCommissair verlesen wurde, wie sie in den Listen standen. Sonst hatten die Capitains die Löhnung für ihre Compagnien erhalten, und manche Unterschleife damit getrieben. Die Einwohner von Mez gewannen hierbei viel, da sie sonst ganz von der Gnade des Capitains abhingen, wenn ein Soldat ihnen schuldig war. Nachdem nun Gonnor alles, was in den Arsenälen war, übergeben hatte, verließ er Mez, und empfahl Vieillevillen besonders den SergeantMajor von der Stadt, den Capitain Nycollas, und den Prevot, Namens Vaurés, er lobte sie außerordentlich in ihrer Gegenwart, woraus Vieilleville sogleich ein Mistrauen schöpfte, aber keineswegs merken ließ.

Er fand die Garnison in grosser Unordnung; sie war stolz dadurch geworden, daß sie gegen einen so mächtigen Kaiser eine Belagerung ausgehalten, und es vergieng keine Woche, wo nicht fünf bis sechs Schlägereien vorfielen über den Streit, wer sich am tapfersten gehalten hätte. Oft fielen sie unter den Offizieren vor, die den Ruhm ihrer Soldaten vertheidigten: oft brachen sich die Soldaten für ihre Offiziere die Hälse. Vieilleville war deshalb in großer Verlegenheit, er muste fürchten, durch scharfe Befehle einen Aufstand zu erregen, der umso gefährlicher war, als der Graf von Mansfeld im Luxemburgischen, wo er commandierte, und besonders in Thionville, vier Stunden von Mez, viele Truppen hatte. Über dem waren die Einwohner selbst voll Verzweiflung, denn nachdem der Kaiser hatte abziehen müssen, sahen sie wohl, daß sie das französische Joch nicht wieder abschütteln könnten. Überdieses waren sie auf eine unleidliche Art durch starke Einquartierungen geplagt, denn es war kein Geistlicher, noch Adeliger, noch eine Gerichtsperson, die davon befreit war. Auf der andern Seite hielt es Vieilleville gegen seine Ehre und Würde, solche Ungezogenheiten fortgehen zu lassen, und er beschloß daher, was es auch kosten möge, seinen Muth zu zeigen, und sich Ansehen und Gehorsam zu verschaffen.

Er ließ daher schnell alle Hauptleute versammeln, und that ihnen seinen Vorsaz kund, wie er noch heute die Befehle und die Strafen für den Übertretungsfall würde verlesen lassen, von denen niemand, wes Standes er auch sey, sollte ausgenommen seyn. Sie, die ihn wohl kannten, wie fest er bei einer Sache bliebe, wenn er sie reiflich überlegt hatte, bothen ihm auf alle Art die Hand hierzu; doch liessen sie bei dieser Gelegenheit den Wunsch merken, daß er weniger streng in Vertheilung der lezten Löhnung gewesen wäre. Er stellte ihnen aber vor, daß es schändlich wäre, sich vom Geiz beherrschen zu lassen, und dieses Laster sich mit der Ehrliebe der Soldaten nicht vertrüge. Ich bin fest entschlossen, sagte er, auch nicht im geringsten davon abzugehen, was ich einrichten und befehlen werde, und lieber den Tod. Nachmittags wurden die Befehle mit grosser Feierlichkeit verlesen, besonders auf dem grossen Markt, wo alle Cavallerie mit ihren Officieren aufmarschirt war; er selbst hielt daselbst auf seinem schönen Pferd mitten unter seiner Leibwache von Deutschen – sehr schöne Leute, die ihm der Graf von Nassau geschikt hatte, mit ihren grossen Hellebarden und Streitäxten in gelb und schwarz gekleidet, denn dieses war seine Farbe, die ihm Frau von Vieilleville, als sie noch Fräulein war, gegeben hatte, und die er immer beibehielt. Es machte dieses einen solchen Eindruk, daß in zwei Monaten keine Schlägerei entstand als zwischen zwei Soldaten über das Spiel, wovon der eine den andern tödtete. Vieilleville nöthigte den Hauptmann, unter dessen Kompagnie der noch lebende Soldat stand, diesen, der sich verborgen hatte, vor Gericht zu bringen, wo sodann der Kopf erst dem getögteten, und sodann dem andern Soldaten abgeschlagen wurde. 

Kurz darauf meldete man ihm, daß einige Soldaten unter dem Vorwand, Wildpret zu schiessen, Leute, die Lebensmittel in die Stadt brächten, auf der Strasse anfielen, und ihnen das Geld abnähmen. Gegen Mitternacht fing man drei derselben, die sogleich die Folter so stark bekamen, daß sie sieben ihrer Helfershelfer angaben. Er ließ diese sogleich aus ihren Betten ausheben, und war selbst bei diesen Gefangennehmungen mit seinen Garden und Soldaten. Diese zehn Strassenräuber wurden in sein Logis gebracht, hier vier bestohlenen Kaufleuten vorgestellt, und ihnen, da sie erkannt wurden, sogleich der Prozeß gemacht. Des Morgens um acht Uhr waren schon drei davon gerädert, und die übrigen gehängen, so daß ihre Capitains ihren Tod eher als ihre Gefangennehmung vernahmen. 

Es gab dieses ein grosses Schrecken in der Garnison, das sich dadurch noch vermehrte, als man sah, daß er gegen seine Hausdienerschaft noch strenger war. Einer seiner Bedienten, der ihm sieben Jahre gedient hatte, wurde gleich den andern Morgen gehenkt, weil er in der Nacht das Haus eines Mädchens, das er liebte, bestürmt hatte, und einer seiner Köche, der ein Gasthaus in Mez angelegt, wurde durch dreimaliges Ziehen mit Striken so gewippt, daß er zeitlebens den Gebrauch seiner Glieder verlor, und nur, weil er gegen den Befehl gehandelt hatte, den Bauern ihre Waaren nicht unter den Thoren abzukaufen, sondern sie vorher auf den dazu bestimmten Plaz kommen zu lassen.

Während der Belagerung hatten mehrere Offiziere, während daß sie die Männer auf die Wälle schikten, um daselbst zu arbeiten, mit den Weibern und Töchtern gar übel gehaust, manche geraubt, den Vater oder Mann aber umgebracht und vorgegeben, es sey durch die Kanonen geschehen, so daß jezt noch sechs und zwanzig Weiber und Mädchen fehlten, die die Offiziers und Soldaten verstekt hielten. Der vorige Kommandant hörte auf die Klagen, welche deshalb einliefen, nicht, theils, weil er einen Aufruhr befürchtete, wenn er es abstellte, theils auch weil er selbst ein solches Mädchen gegen den Willen seiner Mutter bei sich hatte, die er Frau von Gonnor nennen ließ. Jezt da man sah, wie gerecht und unpartheiisch Vieilleville in allem verfuhr, beschlossen die Anverwandten eine Bittschrift einzureichen, und dies geschah eines Morgens ganz frühe, ehe noch ein Offizier da gewesen war. Er machte ihnen Vorwürfe, daß sie ein halbes Jahr hätten hingehen lassen, ohne ihm Nachricht davon zu geben. Sie antworteten: daß sie gefürchtet hätten, eben so, wie beim Herzog von Gonnor abgewiesen zu werden. „In der That, versezte er, ich kann euch nichts weniger als loben, daß ihr mein Gewissen nach dem meines Vorfahren gemessen habt; jedoch sollt ihr noch, ehe ich schlafen gehe, Genugthuung erhalten, wenn ihr nur wißt, wo man die Euren versteckt hält.“ Hierauf versicherte einer, Namens Bastoigne, dem seine Frau, Schwester und Schwägerin geraubt waren, daß er sie Haus für Haus wisse. „Nun gut, sagte Vieilleville, geht jezt nach Hause, und Punkt Neun Uhr des Abends sollt ihr Eure Weiber haben; ich wähle mit Fleiß eine solche Stunde, damit die Nacht (es war im Oktober) Eure und Eurer Verwandtin Schande verberge. Laßt euch indessen nichts, bis zur bestimmten Stunde merken, sonst könnte man sie entfernen.“ 

Er machte darauf die nöthigen Anstalten, stellte gegen Abend in den Hauptstrassen Wachen auf, ließ einige Truppen sich parat halten, und nun nahm er selbst mit einiger Mannschaft die Haussuchung vor, so wie sie ihm von den Supplicanten bestimmt worden war. Zuerst gieng er auf das Quartier des Hauptmann Roiddes los, der die schöne Frau eines Notarius, Namens Le Coq, bei sich hielt, stößt die Thüren ein und tritt ins Zimmer, eben als sich der Capitain mit seiner Dame zur Ruhe begeben will. Dieser wollte sich anfangs wehren, wie er aber den Gouverneur sah, fiel er ihm zu Füßen und fragte, was er befehle, und was er begangen? Vieilleville antwortete: er suche ein Hühnchen, das er seit acht Monathen füttere. Der Capitain, welcher besser handeln, als reden konnte (es war ein tapferer Mann) schwur bei Gott, daß er weder Huhn noch Hahn noch Capaun in seinem Hause habe, und keine solchen Thiere ernähre. Alles fieng an zu lachen, selbst Vieilleville mäßigte seinen Ernst, und sagte ihm: Ungeschikter Mann, die Frau des Le Coq will ich, und dieses den Augenblick, oder morgen habt ihr bei meiner Ehre und Leben den Kopf vor den Füssen. Ein dem Hauptmann ergebener Soldat ließ unterdessen das Weibchen zu einer Hinterthür hinaus in eine enge Strasse, hier aber wurde er von einem Hellebardierer angehalten und, da er sich wehren wollte, übel zugerichtet. Unterdessen hatte sich die Frau, ihre Unschuld zu beweisen, zu ihrem Mann geflüchtet, und Vieilleville ließ, als er dieses hörte, den Capitain Roiddes, den man schon gefangen wegführte, um ihm bei anbrechendem Tag den Kopf herunterzuschlagen, wieder los. Als dieses die andern Offiziere hörten, machten sie ihren Schönen die Thüren auf, und alles lief voll Mädchen und Weiber, die in Eile zu ihren Anverwandten flohen. Vieilleville sezte die Haussuchung jedoch noch sechs Stunden fort, bis er von allen Seiten Nachricht erhielt, daß sich die Verlornen wieder eingefunden. 

In Mez waren sieben adeliche Familien, die sich ausschliessend das Recht seit undenklichen Zeiten anmaaßten, aus ihrer Mitte den Oberbürgermeister der Stadt zu wählen, welches ein sehr bedeutender Plaz ist. Sie waren von diesem Vorrecht so aufgeblasen, daß wenn in diesen Familien ein Kind gebohren wurde, man bei der Taufe wünschte, daß es eines Tages Oberbürgermeister von Mez oder wenigstens König von Frankreich werden möge. Vieilleville nahm sich vor dieses Vorrecht abzuschaffen, und als bei einer neuen Wahl die sieben Familien zu ihm kamen und baten, er möchte bei ihrer Wahl gegenwärtig sein, antwortete er zur grossen Verwunderung, daß es ihm schiene, als sollten sie ihn vielmehr fragen, ob er eine solche Wahl genehmige, denn vom König solle dieser Posten abhängen, und nicht von Privilegien der Kaiser, und er wolle die Worte: Von Seiten Sr. Kais. Majestät des heil. römischen Reichs und der kaiserl. Kammer zu Speier verloren machen, und dafür die braven Worte: Von Seiten der Allerchristlichsten, der unüberwindlichen Krone Frankreichs, und des souverainen Parlamentshofs von Paris sezen. Er habe auch schon einen braven Bürger Michel Praillon zum Oberbürgermeister erwählt, und sie könnten sich bei dieser Einsezung morgen im Gerichtshof einfinden. Der abgehende Oberbürgermeister, als er zumal hörte, daß Vieilleville zu diesem Schritt keinen Befehl vom König habe, sank in die Knie und man muste ihn halten und zu Bette bringen, wo er auch nach zwei Tagen als ein wahrer Patriot und Eiferer der Aufrechthaltung der alten Statuten seiner Stadt starb. 

Vieilleville führte den neuen Bürgermeister selbst ein, und besorgte die deshalb nötigen Feierlichkeiten. Sowohl diese Veränderung, als auch die Herbeischaffung der Weiber und Mädchen, nebst mehreren andern Beweisen seiner Gerechtigkeit gewannen ihm die Herzen aller Einwohner und machten sie geneigt, französische Unterthanen zu werden. Sie entdekten ihm sogar selbst, daß eine Klagschrift an die kaiserl. Kammer im Werk sey, und bezeichneten ihm den Ort, wo sie abgefaßt würde. In diesem Quartier wurden auch des Nachts welche aufgehoben, eben als sie noch an dieser Klagschrift arbeiteten. Der Verfasser und der, so diese Depesche überbringen sollte, wurden sogleich fortgeschaft, und man hörte nie etwas von ihnen wieder; sie wurden wahrscheinlich ersäuft, die andern aber, so Edelleute waren, kamen mit einem derben Verweis und einer Abbitte auf den Knieen davon. 

Aber nicht nur von innen polizierte er die Stadt Mez, auch von aussen reinigte er die umliegende Gegend von den Herumläufern und Räubern, die sie unsicher machten. Alle Wochen musten etliche hundert Mann von der Garnison ausreiten, und in den Feldern herumstreifen. Er neckte die kaiserliche Garnisonen von Thionville, Luxembourg und andern Orten so sehr, daß sie seit dem Mai 1552, wo er sein Gouvernement übernommen hatte, bis zum nächsten Februar über zwölfhundert Mann verloren, da ihm nur in allem hundert und siebenzig getödtet wurden. Die Gefangenen wurden gleich wieder um einen Monath ihres Soldes ranzioniert. Er trug aber auch besondere Sorgfalt, daß immer die tapfersten zu diesen Expeditionen ausgeschickt wurden, wählte sie selbst aus, nannte alle beim Namen, und war immer noch unter den Thoren, diese Leute ihren Capitains anzubefehlen. 

Um Vieilleville die Spitze zu bieten, bat der Graf Mansfeld, so in Luxembourg kommandierte, sich von der Königin von Ungarn, Regentin der Niederlande, Verstärkung aus, und mit selbiger wurde ihm der Graf von Mesgue zugeschickt. Allein Mansfeld konnte nichts ausrichten, und legte aus Verdruß sein Commando nieder, welches der Graf von Mesgue mit Freuden annahm, ob es ihm gleich übel bekam. Vieilleville war besonders durch seine Spionen vortreflich bedient; hauptsächlich liessen sich die von einem burgundischen Dorf, Namens Maranges, sehr gut dazu brauchen. Es gab keine Hochzeit, keinen Markt oder sonst eine Versammlung auf fünfzehn bis zwanzig Meilen in der Runde in Feindes Land, wo Vieilleville nicht zwei bis dreihundert Pferde, und eben soviel Fußvolk dahin abschikte, um ihnen zum Tanz dazu zu blasen. Schikte der Graf Mansfeld diesen Truppen nach, um ihnen den Rükzug abzuschneiden, so erfuhr er es sogleich, und ließ ungesäumt ein anderes Corps aus Mez aufbrechen, um jenes zu unterstützen, und den Weg frei zu machen, bei welcher Gelegenheit oft die tapfersten Thaten vorfielen, und immer die Feinde unterlagen. 

Er bekam Nachricht, daß der Kardinal von Lenoncourt, Bischof von Mez, vieles gegen ihn sammle, um sodann seine Beschwerden vor des Königs geheimes Conseil zu bringen. Nun dann, sagte er, damit seine Klagschrift voll werde, will ich ihm mehr Gelegenheit geben, als er denkt. Er ließ darauf die Münzmeister kommen, die des Kardinals Münze schlugen (denn der Bischof von Mez hatte dieses Recht) und hielt ihnen vor, wie sie alles gute Geld verschwinden liessen, und schlechtes dafür ausprägten. Er befahl ihnen hiermit bei Hängen und Köpfen, auf keine Art mehr Münze zu schlagen, ließ auch durch den Prevot alle ihre Stempel und Geräthschaften gerichtlich zerschlagen, indem es, wie er hinzusezte, nicht billig sey, daß der König in seinem Reich einen ihm gleichen Unterthan habe. 

Es war dieses eine der nützlichsten Unternehmungen Vieilleville’s, denn es giengen unglaubliche Betrügereien bei dieser Münzstätte vor, auch nahm es der König, als er es erfuhr, sehr wohl auf. Der Cardinal aber wollte sich selbst umbringen, denn er war sehr heftig, als er diese Veränderung erfuhr, und verband sich mit dem Herzog von Vaudemont, Gouverneur von Lothringen, um Vieillevillen um sein Gouvernement zu bringen, in welchem Vorsaz sie auch der Kardinal von Lothringen, an den sie sich gewendet hatten, unterstüzte. 

Vieilleville bekam einen Courier vom Secretair Malestroit, der ihm bekannt machte, daß der Gouverneur des Dauphin, von Humieres, auf den Tod läge, und der König gesonnen sey, ihm die Companie Gensd’armes zu geben, die jener besessen, daß aber der Connetable dagegen sey, und sogar den jungen Dauphin dahin gebracht habe, diese Compagnie für den Sohn seines Gouverneurs vom König zu erbitten, mit dem Zusaz, (so hatte es ihm der Connetable gelehrt) daß dieses seine erste Bitte sey, welches dem König sehr gefallen. Vieilleville aber, habe der Connetable vorgeschlagen, sollte man die Compagnie leichte Reiter geben, welche Herr von Gonnor gehabt, und die in Mez schon liege. Vieilleville fertigte auf diese Nachricht, ohne sich lange zu bedenken, seinen Secretair in aller Eile mit einem Brief an den König ab, worinn er denselben mit den nachdrüklichsten Gründen auffoderte, seinen ersten Entschluß wegen der Compagnie durchzusetzen, und sich von niemanden abwendig machen zu lassen. Der Secretair kam in St. Germain an, wie Humieres noch am Leben war, und der König nahm den Brief selbst an. Nachdem er solchen gelesen, antwortete er: „es ist nicht mehr als billig, er hat lang genug gewartet; seine treuen Dienste verbinden mich dazu. Ich gebe sie ihm mit der Zusicherung, es nicht zu widerrufen, wenn der andere stirbt, was man auch darüber brummen mag.“ Vieilleville ließ sich zugleich mündlich die Compagnie leichter Reiter des Herrn von Gonnor, für seinen Schwiegersohn Espinay, ausbitten. Zugestanden, sagte der König, und das sehr gern. Auch wurden sogleich die Patente deshalb ausgefertigt. 

Unterdessen ließ Vieilleville dem Grafen von Mesgue keine Ruhe; seine Truppen giengen oft bis unter die Kanonen von Luxembourg, und foderten die Kaiserlichen heraus, so daß der Graf sogar einen Waffenstillstand unter ihnen vorschlug, worüber Vieilleville sich sehr aufhielt und zurüksagen ließ, daß sie beide verdienten cassiert zu werden, wenn sie als Diener in besondere Capitulationen sich einliessen; und daß er bei diesem Vorschlag als ein Schuljunge und nicht als Soldat sich gezeigt, er schike ihn daher wieder auf die Universität von Löwen, wo er erst seit kurzem hergekommen. Der Graf war so beschämt darüber, daß er Vieilleville bitten ließ, nie davon zu reden, und ihm den Brief, den er deshalb geschrieben, zurükzusenden, welches Vieilleville ihm gerne zugestand, mit der Bedingung, ihm eine Ladung Seefische von Antwerpen dafür zu schiken, die dann auch ankamen, und unter grossem Lachen verzehrt wurden. 

Gegen das Ende Septembert 1554 wurde dem Präsidenten Marillac, der nach Paris reisen wollte, eine Escorte vom besten Theil der Cavallerie und vielen Schüzen zu Fuß mitgegeben. Der Graf von Mesgue erhielt Nachricht davon, und beschloß sich hier für die vielen ihm angethanen Insulten zu rächen. Er bereitete sein Unternehmen so geheim vor, daß Vieilleville erst Nachricht davon bekam, als sie schon aus Thionville ausmarschirten. Sogleich ließ er den übrigen Theil seiner Reuterei aufsizen und schikte zwei verschiedene Corps unter des Herrn von Espinay und von Dorvoulx Anführung ab. Beide waren jedoch nicht stärker als hundert und zwanzig Mann. Dreihundert leichte Truppen musten sogleich ein kleines Schloss, Namens Dompchamp, wo schon fünfzehn bis zwanzig Soldaten und ein Capitain La Plante lagen, besetzen. Er selbst ließ alle Thore der Stadt schliessen, nahm die Schlüssel zu sich, und sezte sich unter das Thor, um von einer Viertelstunde zur andern Nachricht von des Feindes Unternehmen zu erhalten. Er verstärkte die Wachen, und einige Capitains musten auf den Mauern herumgehen, um alles zu beobachten. Die andern Capitains, nebst dem Herrn von Boisse und von Croze waren dabei mit dreihundert Büchsenschüzen und seiner Garde. Um neun Uhr ließ er sich sein Mittagessen dahin bringen, und kurz darauf kam von beiden ausgeschikten Corps die Nachricht an, daß sie die Feinde recognosciert, und acht Compagnien zu Fuß, und acht bis neunhundert Pferde stark gefunden hätten, daß man einer solchen Macht nicht widerstehen könne, und sie sich auf Dompchamp zurükziehen wollten. In drei Stunden könnten sie da seyn, und erbäten sich Verhaltungsbefehle. 

Vieilleville nahm auf dieses, das einem Rükzug ähnlich sahe, einen schreklichen Entschluß. Er ließ sechzig schwere Büchsen von ihren Gestellen herunternehmen, und ladete sie den stärksten seiner Garde auf. Dem Capitain Croze befahl er, hundert Büchsenschüzen und zehen bis zwölf Tambours mit sich zu nehmen, und sich in einem versteckten kleinen Weiler bei Dompchamp ruhig zu verhalten, bis das Gefecht angegangen. Er selbst mit seinen vergoldeten Waffen schnallte seine Rüstung fest, und zog aus der Stadt auf seinem Pferde Yvoy; die Stadt überließ er dem Herrn von Boisse, von dem er wuste, daß er sie wohl bewachen würde, wenn er bleiben sollte. So zog er in schnellem Marsch von seinen siebenzig Musquetieren, deren jeder nur fünf Schüsse hatte dahin, fest entschlossen zu bleiben oder zu siegen. 

Sobald er bei den übrigen angekommen war, traf er als ein geschikter Soldat, die nötigen Anstalten. Unter andern stellte er das Fußvolk zwischen die Pferde, welche Erfindung von ihm nachher oft benuzt worden. Jezt rükte der Feind auf fünfhundert Schritte gerade auf ihn an, er rükte im Schritt vorwärts, und befahl zuerst eine Salve zu geben, damit der Feind ihre Anzahl nicht bemerkte. Beide Corps treffen nun auf einander; die Feinde glaubten ihn leicht über den Haufen zu werfen, denn es waren ihrer zehen gegen einen. Die Musquetiers verlieren indessen jeden Schuß. Vieilleville, an seiner Seite Espinay und Thevales, dringen ein und werfen alles vor sich nieder. Wüthend fällt Croze mit seinen Tambours und Schüzen aus seinem Hinterhalt heraus, ihnen in die Flanke. Der Chevalier La Rogue kommt von einer andern Seite, und sezt ihnen fürchterlich zu. Sie hatten ihr Fußvolk zurük gelassen, weil sie den Feind für unbeträchtlich hielten. Alle ihre Chefs waren getödet, und jezt von allen Seiten gedrängt, stürzten sie auf ihre Infanterie zurük, die sie selbst in Unordnung brachten, da sie immer verfolgt wurden, und zwar von ihren eigenen Pferden, auf die sich Vieilleville’s Soldaten schnell schwangen und so nacheilten. Mehr als fünfzehnhundert blieben auf dem Plaz, die übrigen wurden gefangen. Jeder Soldat hatte einen bis zwei Gefangenen, selbst zwei Soldaten-Mädchen trieben ihrer dreie vor sich her, die ihre Waffen weggeworfen hatten, und wovon zwei verwundet waren. Der Graf von Mesgue hatte sich durch die Wälder bis an die Mosel geflüchtet, wo er mit noch zwei andern in einem Fischerkahn nach Thionville sich rettete. Vieilleville hatte nur acht Todte und zwölf Verwundete. Er zog wieder in Mez ein, und gerade auf die Hauptkirche zu, um Gott für den Sieg zu danken. Der Donner der Kanonen und alle Gloken trugen diese Feierlichkeit nach Thionville, und sie konnten dort wohl vernehmen, wie sehr man sich in Mez freute. 

Durch einen sonderbaren Zufall geschah es, daß gerade an dem Tag, wo er siegte, der König ihm den Orden ertheilte. Der Offizier, den er sogleich mit den Fahnen an den König abgeschikt hatte, traf den Courier vom Hof auf dem Weg an. Der Herzog von Nevers sollte ihm denselben umhängen; Vieilleville schlug es aber in einem sehr höflichen Schreiben an den Herzog von Nevers aus, den Orden aus einer andern als des Königs Hand anzunehmen, weil er dieses Gelübde getan, als Franz der Erste selbst ihn zum Ritter geschlagen.

Der SergeantMajor des ganzen Landes Meßin, und der Prevot (GeneralAuditor) welche Herr von Gonnor Vieillevillen vorzüglich empfohlen hatte, waren in ihrem Dienst Männer ohne ihres gleichen, und dabei in Mez sehr angesehen. Allein sie erlaubten sich mancherlei Betrügereien: sie liessen oft die Gefangenen, die zum Tode verurtheilt worden, heimlich gegen eine starke Geldsumme entwischen, und gaben vor, sie hätten die Kerls ersäufen lassen, da sie des Hängens nicht werth gewesen. Man fieng solch einen angeblich Ersäuften wieder, und er wurde erkannt zu eben der Zeit, da jene beiden einen Gefangenen, der verurtheilt war, schon seit zwei Monathen im Gefängniß herumschleppten. Da es ihnen ernstlich befohlen ward, diesen Gefangenen hinrichten zu lassen, so wurde er in einem grossen Mantel zum Richtplaz geführt, damit man nicht sehen konnte, daß er die Hände nicht gebunden hätte; auch gab man ihn für einen Lutheraner aus, damit er kein Crucifix tragen dürfe. Als der Kerl auf der Leiter stand, sprang er schnell herunter, ließ dem Henker den Mantel in der Hand, und rettete sich, ohne daß man je etwas von ihm hätte sehen sollen. Es kam nun heraus, daß sie von einem Verwandten des Verurtheilten tausend Thaler erhalten hatten, wenn sie ihn entwischen liessen. Vieilleville war über alles dieses sehr aufgebracht, ließ sogleich die beiden in Verhaft nehmen und ihnen den Proceß machen. Sie bekamen die Tortur und gestanden alles. In einem Kriegsgericht wurden sie zum Tode verdammt; der SergeantMajor im Gefängniß erdrosselt und der Prevot und sein Schreiber auf öffentlichem Plaz gehenkt. 

Es gab zwei Franziskaner Klöster in Metz, wovon in einem Observantiner Mönche waren. Die Mönche waren meist alle aus einer Stadt der Niederlande, Namens Nyvelle. Der Pater Quardian besuchte dort oft seine Verwandte, und kam bei jeder Reise vor die Königin von Ungarn, die durch ihn alles erfuhr, wie es in Mez stand, auch viele Neuigkeiten aus Deutschland und Frankreich; kurz, es war ihr eigentlicher Spion. Auf den Antrag, der ihm zu einer Unternehmung aus Mez gemacht wurde, gieng er auch wirklich ein; er nahm etliche und siebenzig tapfere Soldaten, kleidete sie als Franziskaner, und ließ sie von Zeit zu Zeit paarweise nach Mez ins Kloster gehen. Unterdessen war es verabredet, daß der Graf von Mesgue Verstärkung erhalten sollte, und sich an dem Thor der Brücke Yffray zum Sturmlaufen zeigen sollte. Der Quardian wollte in mehr als hundert Häusern durch eine eigene Erfindung Feuer einlegen lassen; jedermann würde hinzulaufen, dieses zu löschen, und die Mönche sollten sich dann auf den engen Wällen zeigen, und den Soldaten heraufhelfen. Einige tausend Soldaten von der Garnison zu Mez würden sich ohnedies sogleich empören, wenn sie die Gelegenheit zum plündern absähen und Freiheit, Freiheit, nieder mit dem Vieilleville! schreien. 

Es gieng alles recht gut für den Mönch, in einer Zeit von drei Wochen hatte er die Soldaten im Kloster. Jezt bekam aber Vieilleville von einem seiner geschiktesten Spionen auf Luxembourg Nachricht, daß die Königin von Ungarn zwölfhundert leichte Büchsenschüzen, achthundert Pferde, und eine grosse Anzahl niederländischer Edelleute dem Grafen von Mesgue zuschickte. Der Graf habe etwas vor, man könne aber nicht entdeken, auf was er ausgehe. Man habe zwar zwei Franziskanermönche von mittlerem Alter mit dem Grafen ins Cabinett gehen sehen, habe aber nicht heraus bringen können, wo sie her gewesen, es habe nur geheissen, sie seyen von Brüssel her gekommen. 

Vieilleville nahm sogleich einige Capitains zu sich und gieng in das Franziskaner Kloster, ließ den Guardian rufen, und fragte, wie viel er Mönche habe, und ob sie alle zu Hause seyen, er wolle sie sehen. Hier findet er alles richtig. Er geht darauf zu den Observantinern, und fragt nach dem Guardian. Es wird ihm geantwortet, er sey nach Nyvelle zum Leichenbegängniß seines Bruders gegangen. Vieilleville will die Anzahl der Mönche wissen und sie sehen. Drei oder vier sagen, sie seyen in die Stadt gegangen, Almosen zu sammeln. Schon an ihrer Gesichtsfarbe merkte er, daß es nicht ganz richtig sey. Er stellte sogleich Haussuchung an, und findet in dem ersten Zimmer zwei falsche Franziskanermönche, welche sich für krank ausgaben, und ihre auf Soldaten Art verfertigten Beinkleider im Bette verstekt hatten. Unter Androhung eines sichern Todes gestehen sie sogleich, wo sie her sind, doch wüßten sie nicht, was man mit ihnen vorhabe, und sie hofften dieses zu erfahren, wenn der Guardian von Luxembourg würde zurükgekommen seyn. Vieilleville ließ sogleich das Kloster schliessen, und sezte einen vertrauten Capitain mit starker Wache hin, dem er befiehlt, alles herein, aber nichts hinaus zu lassen. Ferner werden augenbliklich alle Thore der Stadt geschlossen, außer dem der Brüke Yffray, welches nach Luxembourg führt, und wo der Capitain Salcede die Wache hatte. Hier begiebt er sich selbst hin, entläßt alle seine Garden und bleibt mit einem Edelmann, einem Pagen und einem Bedienten mit den Soldaten auf der Wache. 

Dem Capitain Salcede ließ er sagen, er erwarte jemand unter dem Thor, und sollte er die Nacht auf der Wachtstube zubringen, so müsse er die Person hereingehen sehen. Salcede sollte sein Essen unter das Thor bringen lassen, wie es wäre, und sollte er nur Knoblauch und Rüben haben, er solle nur herbei eilen. 

Salcede kam auch sogleich und brachte ein ganz artiges Mittagsessen mit, das ihnen unter dem Thor gut schmekte. Kaum hatten sie abgegessen, als die Schildwache sagen ließ, sie sähe zwei Franziskaner von weitem kommen. Vieilleville nimmt eine Hellebarde und stellt sich, von zwei Soldaten begleitet, selbst an den Schlagbaum. Die Mönche, die sich sehr wundern, ihn hier wie einen gemeinen Soldaten Wache stehen zu sehen, steigen ab. Er befiehlt ihnen aber in das Quartier des Capitains Salcede zu gehen; die zwei Soldaten mußten sie dahin bringen. Jezt läßt er alles aus diesem Quartier gehen, und er mit Salcede und seinem Lieutenant Ryolas bleiben allein da. Nun, Herr Heuchler, redet er den Guardian an, ihr kommt von einer Conferenz mit dem Grafen von Mesgue. Sogleich bekennet alles, was ihr mit einander verhandelt, oder ihr werdet den Augenblik umgebracht. Bekennet ihr aber die Wahrheit, so schenke ich euch das Leben, selbst, wenn ihr das meine hättet nehmen wollen. In euer Kloster könnt ihr nun nicht mehr, es ist voll Soldaten, und eure Mönche sind gefangen; zwei haben schon bekannt, daß sie verkleidete Soldaten der Königin von Ungarn sind. Der Guardian wirft sich ihm zu Füssen und gibt vor, daß diese zwei seine Verwandte seyen, und ihren Bruder wegen einer Erbschaft umgebracht; er habe sie unter Franziskaner Kleider verstekt, um sie zu retten. Indem ließ aber der bei dem Kloster wachhabende Hauptmann melden, daß sechs Franziskaner in das Kloster eingetreten, die unter der Kutte Soldaten Kleider gehabt. Jezt befahl er die Tortur zu holen, damit der Guardian gestehe. Der Mönch, der sah, daß alles verrathen sey, besonders wie ihm Vieilleville den Brief zeigte, so er von seinem Spion in Luxembourg erhalten, sagte dann, daß man wohl sähe, wie Gott ihm beistehe, und die Stadt für ihn bewache, denn ohne diese Nachricht wäre Mez noch heute für den König verlohren gewesen, und in die Hände des Kaisers gekommen. Alle zu dieser Expedition bestimmten Truppen seyen nur noch sechs Stunden von Mez in St. Jan, und sie sollten um neun Uhr hier eintreffen. Kurz, er gestand den ganzen Plan. Vieilleville übergab ihn jezt dem Capitain Ryolas ihn zu binden, und mit keiner Seele reden zu lassen. 

Wie Vieilleville in allen unvorhergesehenen Fällen sich schnell und fest entschloß, so auch hier. Sogleich ruft er seine Compagnie zu sich, und befiehlt dem Herrn von Espinay und von Lancque eben dieses zu thun. Die Capitains St. Coulombe und St. Marie müssen sich mit dreihundert Büchsenschüzen einfinden. Der neue Sergeant Major St. Chamans muß sogleich auf die Thore fünfzig Büschel Reiser hinschaffen, mit der Weisung, solche nicht eher noch später als zwischen sechs und sieben Uhr des Abends ansteken zu lassen. Die ganze Stadt war in Allarm; niemand wußte, was werden sollte. 

Jezt, da alles fertig war, sagte er: Nun laßt uns still und schnell marschieren, und so Gott will, sollt ihr in weniger als vier Stunden seltsame Dinge erleben.“ Er hatte einen sehr geschikten Capitain, die Soldaten zu führen; diesen rief er zu sich und entdekte sich ihm und seinen Plan. Er sollte ihn in einen Hinterhalt legen, wo die Feinde vorüber müßten. Ginge dieses nicht, so wollte er sie so angreifen, ob sie gleich nur einer gegen drei seyen. Der Capitain führte ihn in einen grossen Wald, an dessen Ende ein Dorf lag. Hier vertheilte Vieilleville seine Leute von tausend zu tausend Schritten, so daß der Feind nicht zu sich kommen und denken sollte, die ganze Garnison, so bekanntlich fünftausend zweihundert Infanterie, und tausend Mann Cavallerie stark war, sey ihm auf dem Halse. Den Weg nach Thionville befahl er frei zu lassen, weil er den Flüchtlingen nicht nachsezen wollte, nach der goldenen Regel: dem Feind muß man silberne Brücken bauen. 

Jezt bekam er Nachricht, daß die Feinde schnell anrükten, in einer Stunde könnten sie da seyn. Man sähe in Mez brennen, die Feinde seyen stärker als er glaube, es sey alles voll. In einer Stunde kam schon ihr Vortrab, so aus ohngefähr sechzig Mann bestand, durch den Wald. Die Hellebardierer hatten sich auf dem Bauch in das Dikicht gelegt, die Schüzen standen weiter hinten, daß man die brennenden Lunten nicht riechen sollte; man hörte, wie sie sagten: „Treibt sie an, beym Teufel, wir verweilen zu lang. In dem Wald giebt es nichts als Maulwürfe. Beim Wetter, wie werden wir reich werden, und was für einen Dienst werden wir dem Kaiser thun.“ Ein anderer sagte: „Wir wollen ihn recht beschämen, denn mit dreitausend Mann nehmen wir, was er nicht mit hunderttausend konnte.“ Ein anderer: „ich werde mich heute Nacht zu Tode h –, denn es soll dir prächtige Mädchen und Weiber geben.“ Jezt kam der ganze Troß und zog ins Holz hinein, zuletzt der Graf von Mesgue mit einer ausgesuchten Cavallerie. Er trieb sie aus allen Kräften zur Eile an, so daß sie keine Ordnung hielten. Den ganzen Zug aber schloß das adeliche Corps aus den Niederlanden, welches achthundert Pferde stark war. 

Als auch diese in dem Wald waren, stürzte Vieillevilles erster Hinterhalt hervor – Frankreich – Frankreich – Vieilleville! – rufend. Die Edelleute rufen ihre Diener, ihnen ihre Waffen zu geben, nun rüken aber auch die Büchsenschüzen hervor, und jeder strekt seinen Mann nieder, zugleich machen die Tambours einen erschreklichen Lerm. Die Feinde, welche schon vorne waren, wollten umkehren, um ihrem Hintertrab zu helfen; aber jezt stürzt auch bei ihnen der zweite Hinterhalt hervor, und es entsteht ein so erschrekliches Getöse, daß alles ganz verwirrt wird. Der Graf von Mesgue schreit: Beim Teufel, wir sind verrathen! Gott, was ist das? und macht zugleich Miene sich zu wehren. Nun bricht aber auch der dritte Hinterhalt hervor, und die feindliche Cavallerie flieht in das Dorf, in der Hofnung, sich dort zu sezen; aber hier finden sie Vieillevilles viertes Corps, zu dem kam noch das fünfte, das sie in die Mitte bekam, und so übel zurichtete, daß der Graf von Mesgue durch sein eigenes Fußvolk durchbrechen mußte, um sich zu retten, denn überall traf er auf Feinde. Jezt floh alles, wo es nur hinkonnte, und der Sieg war vollkommen. 

Es wurden vierhundert und fünfzig Gefangene gemacht, und eilfhundert und vierzig waren auf dem Plaz geblieben. Vieilleville hatte nur fünfzehn Mann verlohren, und sehr wenige waren verwundet worden. 

Es fiel dieses an einem Donnerstag im Oktober 1555 vor, und wurde durch die Klugheit und Thätigkeit auf diese Art eine Verrätherei am nemlichen Tag entdekt und bestraft. Die Mönche in Mez wurden in engere Verwahrung gebracht, die dreißig verkleideten Soldaten aber ließ Vieilleville frei, weil es brave Kerls wären, die ihr Leben auf diese Art zum Dienst ihres Herrn gewagt hätten. Doch befahl er, daß sie zu drei und drei mit ihren Mönchskleidern auf dem Arm und weissen Stäben durch die Stadt geführt, und auf jedem Plaz verlesen werden sollte: dieses sind die Mönche der Königin von Ungarn, u. s. w. 

Vieilleville schikte dem König einen Courier mit der Nachricht dieses Siegs. Eben diesem war aufgetragen, Urlaub für ihn auf zwei Monathe zu verlangen, indem er schon drei Jahre in seinem Gouvernement des Glüks beraubt sey, Seine Majestät zu sehen. Vieilleville hatte mehrere Ursachen diesen Urlaub zu verlangen. Einmal, wollte er nicht gegenwärtig seyn, wenn man den Guardian hinrichtete, da er ihm sein Wort gegeben, ihm am Leben nichts zu thun; und doch hielt er es für unbillig, einen solchen Mordbrenner am Leben zu lassen. Dann trug er auch den Plan einer in Mez zu erbauenden Citadelle im Kopf herum, die aber sehr viele Unkosten erfoderte, da drei Kirchen abgetragen, und der König zweihundert und fünfzig Häuser kaufen muste, um die Einwohner daselbst wegzubringen und Plaz zu gewinnen. Nun fürchtete er, daß wenn er diesen Plan nicht selbst vorlegte, der Connetable besonders dagegen seyn würde, da ohnedem eine Armee, welche unter dem Herzog von Guise nach Italien marschieren sollte, um Neapel wieder zu erobern, ungeheure Summen wegnahm, die man nirgends aufzutreiben wußte. Endlich war er auch davon benachrichtigt, daß der Kardinal von Lenoncourt vom Kardinal von Lothringen unterstüzt, ihn in allen Gesellschaften herunterseze. 

Der Urlaub wurde bewilligt, und sogleich der Herr von La Chapelle-Biron nach Mez abgeschickt, das Gouvernement unterdessen zu übernehmen. Nachdem nun Vieilleville dem neuen Gouverneur alles übergeben, und ihn wohl unterrichtet hatte, reißte er nach Hofe, und nahm nur den Grafen von Sault, dem er seine zweite Tochter, welche Hofdame bei der Königinn war, zugedacht hatte, mit sich. Sobald er daselbst angekommen, entfernte sich der Kardinal von Lenoncourt in eine seiner Abteyen bei Fontainebleau. Der König empfieng ihn sehr wohl, und der darauf folgende Tag wurde sogleich dazu bestimmt, ihm den Orden umzuhängen, welches auch mit vieler Feierlichkeit geschah. Nur der Kardinal von Lothringen als OrdensKanzler und der Connetable als ältester Ritter fanden sich nicht dabei ein. Dieser wollte sein gewöhnlich Kopfweh, jener die Colik haben. Der König aber kannte wohl ihre Entschuldigungen und Sprünge. 

Der Kardinal von Lothringen hatte sich vorgenommen, Vieillevillen im vollen Rath wegen Beeinträchtigung des Bischofs von Mez in seinen Rechten anzugreifen, und er war so fein, den König zu bitten, sich im Rath einzufinden, indem er einige wichtige Sachen vorzutragen habe. Der König, der nicht wußte, was es war, befahl sogleich, die Räthe zu versammeln, und da jeder seinen Rang eingenommen hatte, fieng der Kardinal eine Rede an, die dem Eingang nach außerordentlich lang dauren konnte. Er fieng damit an, wie die Könige von Frankreich immer die Stüzen der Kirche gewesen, brachte allerhand Beispiele aus der Geschichte vor, und kam endlich darauf, daß ein Pfeiler der Kirche, und einer von denen, aus dessen Holz man Päbste machte, grosse Klagen über die Eingriffe habe, die man in seine geistlichen Rechte getan habe. Vieilleville stand sogleich schnell auf, und bat den König, dem Kardinal Stillschweigen aufzulegen, und ihn reden zu lassen; er merke wohl, daß von ihm die Rede sey. Nun fieng er an sich zu wundern, daß der Kardinal so hoch angefangen; er habe geglaubt, der heilige Vater und der heilige Stuhl seyen in Gefahr vor den Türken, und man wolle Se. Majestät bewegen, wie die alten Könige, eine Kreuzarmee abzuschiken. So aber wäre nur die Rede von dem Kardinal von Lenoncourt, und er bedaure, daß die Reise Sr. Majestät nach Rom nicht statt habe, und die Gelder zu einer grossen Armee würden wohl im Coffre bleiben, welches ein Gelächter im Rath erwekte. Nun gieng er die Beschwerden, welche der Kardinal haben konnte, selbst durch, und widerlegte sie Punkt vor Punkt zu seiner Rechtfertigung mit einer grossen Beredsamkeit und Feinheit. Er bat endlich, daß der Kardinal von Lenoncourt selbst erscheinen möge um seine weiteren Klagen vorzubringen, und sich nicht hinter die Grosse und das Ansehen des Kardinals von Lothringen steken möge; indem er hoffte, ihn auf diese Art zu verhindern, daß er nicht zum Wort kommen sollte. Der König fragte darauf den Kardinal von Lothringen, ob er keinen andern Grund gehabt, ihn in Rath zu sprengen, als diesen, worauf der Kardinal antwortete, daß Se. Majestät nur einen Theil gehört hätten. Vieilleville will ja auch nicht, versezte der König, daß man ihm geradezu glaubt, und er verlangt, daß Lenoncourt selbst erscheine. Er befahl darauf, daß der Kanzler ihn auf morgen in den Rath bescheiden sollte. Übrigens aber gab der König die Erklärung von sich, daß er alles billige, was Vieilleville in seinem Gouvernement gethan, und er stand gleichsam zornig von seinem Siz auf. Der Kardinal von Lothringen legte die Hand auf den Magen, als wenn er Colik hätte, gieng sogleich aus dem Rath hinaus, und ließ den Kardinal von Lenoncourt augenbliklich von dem benachrichtigen, was vorgefallen, der dann sogleich auch weiter vom Hof wegreiste, so daß ihn die, welche ihn in den Rath auf Morgen einladen sollten, nicht antrafen. 

Kurz darauf legte Vieilleville dem König auch seinen Plan wegen der Citadelle vor, und er wußte ihm die Sache so wichtig vorzustellen, daß der König gleich darauf eingieng. ihm aber verboth, es nicht im Conseil vorzutragen, wo gewiß der Connetable und der Herzog von Guise dagegen seyn würden, die alles aufböten drei Millionen zu ihrem projektierten italienischen Feldzug zu schaffen. Er habe getreue Diener in Paris, von denen er hoffe, sogleich die zu dieser Citadelle verlangte Summe zu erhalten, und er wolle sich gleich noch heute nach Paris begeben, da er ohnedem wünschte, daß man Fontainebleau, wo er schon acht Monathe wohne, durchaus reinigte. 

Vieilleville erhielt auch die Summe, und kehrte damit sogleich nach Mez zurük, um die nöthigen Anstalten zur Erbauung dieser Citadelle zu treffen. Es war hohe Zeit, daß er wieder zurück kam; denn es vergieng nicht lange, so entdekte er eine neue Verschwörung, welche zwei Soldaten Comba und Vaubonnet, angezettelt hatten; da sie sahen, daß der Herr von La Chapelle nicht sonderlich wachsam an den Thoren war. Vieilleville hatte ihre Brüder rädern lassen, weil sie ein öffentliches Mädchen des Nachts mishandelt, und ihr die Nase abgeschnitten hatten. Das Mädchen hatte so geschrieen, daß die ganze Stadt in Allarm gekommen war, und Vieilleville sich selbst zu Pferde gesezt, und die Garnison unter das Gewehr hatte treten lassen. Sie hatten sich an den Grafen von Mesgue gewendet, und bedienten sich eines Tambours zu ihrem hin und her Träger, Namens Balafré. Die Königin von Ungarn, bei der Comba gewesen war, hatte ihnen zwölfhundert Taler gegeben, wofür sie ein Gasthaus errichteten, und oft mit Lebensmitteln nach Thionville mit Passeport von La Chapelle, dem sie mannichmal Präsente brachten, auf dem Flusse hin und her fuhren. Den Grafen von Mesgue hatten sie selbst zweimal verkleidet in die Stadt gebracht, wo er alles durchgesehen hatte. Es kam nun sonderbar, daß Vieilleville den Capitain dieser Soldaten, Namens La Mothe-Gondrin, fragte, wie es käme, daß die Soldaten, die einen gewissen ausgezeichneten Rang unter den übrigen hätten, sich mit Gastierungen abgäben, welches unschiklich sey. Der Capitain antwortete, daß sie, seit ihre Brüder gerädert worden, keine rechte Liebe zum Dienst hätten; sie wollten daher ihren Abschied bald nehmen, doch wünschten sie vorher, noch etwas zu erwerben. 

Wie Vieilleville hörte, daß sie Brüder der Geräderten seyen, so fiel es ihm gleich auf, daß etwas darunter steken könne, und er schikte unverzüglich nach Comba, dem er sagte, daß, weil er gut Spanisch rede, er dem König einen Dienst erweisen könne, er solle nur mit ihm kommen, Geld und Pferde seyen schon bereitet. Er führte ihn hierauf in das Quartier des Capitains Beauchamp, wo er dem Capitain sogleich befahl, den Comba zu binden, bis Eisen ankämen, und dafür zu sorgen, daß niemand nichts von dieser Gefangennehmung erfahre. Dem Kameraden Vaubonnet aber läßt er sagen, nicht auf Comba zu warten, indem er ihn auf vier Tage verschikt habe. 

Wie die Entdekungen oft sonderbar geschehen, so auch hier. Der Bediente des Kapitains war ein Bruder des Tambours Balafré, und er hatte ihn oft mit dem Comba gesehen. Eben dieser Bediente sah jezt durch das Schlüsselloch den Comba binden, und läuft hin, es seinem Bruder zu sagen. Dieser bittet sich von Vieilleville eine geheime Audienz aus, wirft sich ihm zu Füssen, entdeckt alles, und gesteht, daß er schon siebenmal in Thionville mit Briefen von Comba an den Grafen von Mesgue gewesen. Vieilleville zieht einen Rubin vom Finger, giebt ihn dem Tambour und verspricht, sein Glük zu machen, wenn er ihm treu diente. Er nahm ihn darauf zu dem Comba, dem er befiehlt, an den Grafen zu schreiben, daß alles gut gehe, und er durch den Weg, den ihm sein Vertrauter anzeigen würde, seine Herde zuschiken sollte, wo er sodann Wunder erfahren würde. Vieilleville diktierte selbst den Brief, nachdem ihn der Balafré von dem unter ihnen gewöhnlichen Stil benachrichtigt hatte. Der Tambour bestellt den Brief richtig, und bringt die Antwort mit, daß von Mittwoch auf den Donnerstag (es war Dienstag) um Mitternacht die Truppen da seyn sollten. 

Um sein Vorhaben noch besser zu deken, ließ Vieilleville seine Capitains rufen, und sagte ihnen, daß der Herr von Vaudemont, mit dem er in Feindschaft lebte, vom Hof zurückkomme, und daß er ihm entgegen gehen wolle, doch nicht als Hofmann, sondern im kriegerischen Ornat, und als zum Streit gerüstet. Sie sollten daher alles sogleich in den Stand sezen, und er wolle morgen gegen fünf Uhr mit tausend Mann Schüzen und seiner ganzen Cavallerie ihm entgegen gehen; er hoffe, daß dieses Zeichen der Aussöhnung dem König wohl gefalle. Heimlich läßt er aber den Tambour kommen, und geht mit ihm zu Beauchamp, wo Comba dem Grafen schreiben muß, daß sich alles über Erwartung gut anlasse, indem Vieilleville mit seinen besten Truppen weggehe, und er also sicher kommen könne. 

Der Graf von Mesgue sehr erfreut darüber, bedient sich der nemlichen List, und schreibt Vieillevillen, wie der Graf Aiguemont im Sinn habe, dem Herrn von Vaudemont entgegen zu gehen, und er daher, da sie sein Gebieth beträten, ihn davon benachrichtigen wolle, indem sie nicht im Sinn hätten, die geringste Feindseligkeit auszuüben, da ohnedem jetzt Waffenstillstand zwischen ihren Herren sey. Diesen Brief schikte er durch einen Courier ab. Dem Tambour aber gab er einige Zeilen mit, worin er dem Comba benachrichtigt, daß er nur noch einen Tag länger warten solle, indem der Graf von Mansfeld bei der Parthie seyn wolle, und auch noch Truppen mitbringe. Auf dieses ließ Vieilleville seine Capitains wissen, daß Herr von Vaudemont einen Tag später nach Mez kommen würde und sie also erst Donnerstags um vier Uhr abgehen würden. 

Vieilleville hoffte gewiß, sie wieder in die Falle zu bekommen; allein das Projekt mislang, denn der Capitain Beauchamp ließ sich durch die kläglichen Bitten des Comba bewegen, ihm Mittwochs um Mittagessenszeit seine Eisen auf kurze Zeit herunter zu nehmen. Er geht darauf in den Keller um Wein zu holen, denn er traute sonst niemanden, und Comba muß ihm leuchten. Wie er aber sich bükt, um den Wein abzulassen, giebt ihm Comba einen Stoß, daß er zur Erde fällt, springt die Treppe hinauf, läßt die Thüre fallen, schließt sie zu, und geht auf die Alte los, bei der er in Beauchamps Quartier verborgen war; diese schlägt er so lange, bis sie ihm die Schlüssel der Thüre giebt, und so rettete er sich. Beauchamp schreit indessen wie rasend, bis man ihm aufmacht, wo er beinahe Hand an sich legte, als er die Thüren eröfnet findet. Er entschließt sich jedoch, zu Vieilleville zu gehen, der zwar schon gegessen, aber noch an der Tafel mit seinen Capitains saß und von der bevorstehenden Reise sprach. Beauchamp ruft ihm gleich entgegen, daß Comba sich geflüchtet habe und er um Vergebung bitte. Vieilleville wirft sogleich seinen Dolch nach ihm, springt auf ihn zu, und will ihn umbringen. Beauchamp aber flieht, und die andern Capitains stellen sich bittend vor ihn. Sogleich wurden alle Thore geschlossen. Vaubonnet mit dreißig hereingekommenen verkleideten Soldaten sollte gefangen genommen werden, sie hatten aber schon Wind erhalten, und retteten sich mehrere, doch wurde der größte Theil auf der Flucht nieder gemacht, einige warfen sich über die Mauern in den Fluß. Vieilleville ließ sogleich nach Comba und Beauchamp in der ganzen Stadt in jedem Haus nachsuchen, und ersteren fand man bei einer Wäscherin verborgen. Er ließ dem Rädelsführer sogleich den Prozeß machen. Comba und Vaubonnet wurden von vier Pferden zerrissen, und die gefangenen verkleideten Soldaten theils gerädert, theils gehenkt. Der Graf von Mesgue bekam noch frühzeitig genug Nachricht davon, und fieng nun an zu glauben, Vieilleville habe einen Bund mit dem Teufel, da er auch die allergeheimsten Anschläge erführe.

Dieser vereitelte Anschlag war Vieillevillen so zu Herzen gegangen, daß er in eine tödtliche Krankheit fiel, wo man drei Monate lang an seinem Aufkommen zweifelte. Der König schickte einen seiner Kammerdiener nach Mez, um zu sehen, wie es mit Vieillevillen stünde, und schrieb selbst an ihn, und versicherte seinem Schwiegersohn Espinay die Gouverneurstelle von Mez. Diese außerordentliche Gnade hatte einen solchen Einfluß auf ihn, daß sie ihn wieder ins Leben rief; auch besserte es sich mit ihm von diesem Tag an; er schickte einen Haufen Ärzte fort, welche ihm von verschiedenen Prinzen waren zugeschikt worden, und erholte sich ganz, obgleich sehr langsam wieder. Er gieng, sobald er das Reisen vertragen konnte, mit seiner Familie nach Durestal, wo er sich acht Monathe aufhielt, und seine Gesundheit wieder herstellte. 

(Die Fortsetzung folgt.)

 

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